Tim Cook zu Zensurvorwürfen bei Hongkong-Protesten: Müssen lokale Gesetze befolgen

Tim Cook auf September Keynote 2017

Apple reagiert auf Kritik für die Entscheidung, eine App aus dem Hongkonger App Store gelöscht zu haben, mit der Bürger die Bewegungen der Ordnungskräfte verfolgen konnten. Diese App verstoße gegen lokale Gesetze, flüchtete sich CEO Tim Cook in ein von Apple und anderen Konzernen sattsam bekanntes Argumentationsmuster.

Aktuell protestieren die Bürger von Hongkong gegen die Ausweitung des Einflusses der chinesischen Regierung, die versucht, der ehemaligen britischen Kolonie einen Festland-chinesisch geprägten gesellschaftlichen Wandel aufzuzwingen. Die Demonstrationen entzündeten sich ursprünglich an einem neuen Gesetz, das die Auslieferung Hongkonger Bürger an China zum Thema hatte.
Die Gesetzesinitiative ist inzwischen von der von China eingesetzten Regierung kassiert worden, die Proteste dauern jedoch an. Im Zuge der Demonstrationen haben sich die Hongkonger Polizeikräfte mehrfach heftige Zusammenstöße mit den Protestierenden geliefert, die den Vorwurf überzogener Polizeigewalt ins Spiel brachten.

Eine App namens HKmap.live kann dazu genutzt werden, den Aufenthaltsort und die Bewegungen von Polizei und Ordnungskräften in Echtzeit zu verfolgen, indem sie Informationen aus Messengern und sozialen Netzwerken aufbereitet. Apple hatte jedoch HKmap.live aus dem App Store entfernt und damit heftige Kritik ausgelöst, Apfelpage.de berichtete.

Tim Cook: Müssen lokale Gesetze befolgen

In einer E-Mail, die nun öffentlich wurde, wandte sich Tim Cook an die Apple-Belegschaft. Technologie könne viel gutes bewirken, aber auch missbraucht werden, so der Applechef. Im Fall von HKmap.live sei die App auch dazu genutzt worden, gezielt Angehörige der Polizeikräfte anzugreifen. Auch habe die App zu einer Explosion der  Straßenkriminalität geführt, wie das Hongkonger Büro für Cybersicherheit moniert hatte. Damit habe HKmap.live gegen die Richtlinien des App Store verstoßen.

Die angeführten Punkte mögen zutreffend sein, sind jedoch nur ein vorgeschobener Grund, der zudem völlig durchsichtig ist. Die Führung in Peking hatte sich eine fortgesetzte Bereitstellung von HKmap.live im App Store energisch verbeten und Apple, das von den Verkäufen in China abhängig ist, konnte sich dieser Forderung nicht entziehen. Ein solches Verhalten ist keineswegs neu, über vergleichbare Fälle haben wir in der Vergangenheit etwa hier und hier berichtet.

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Roman van Genabith
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8 Kommentare zu dem Artikel "Tim Cook zu Zensurvorwürfen bei Hongkong-Protesten: Müssen lokale Gesetze befolgen"

  1. Devil97 12. Oktober 2019 um 13:39 Uhr ·
    Es ist wie es ist, und als Unternehmen muss man sich nicht um Menschenrechte oder sonst was kümmern, erstmal zählt wie es in der Überschrift steht das bestehende Gesetz
    iLike 3
  2. Huu 12. Oktober 2019 um 14:20 Uhr ·
    Die Proteste in Hongkong richten sich dagegen, von einer bevölkerungsüberwachenden Diktatur vereinnahmt zu werden. Apple gibt sich ja immer den Anstrich, ein Unternehmen zu sein, dessen oberstes Ziel das Wohl des Menschen ist. Hier zeigt sich mal wieder sehr schön die Doppelzüngigkeit der Konzerne..
    iLike 7
  3. Mal so gesagt 12. Oktober 2019 um 14:35 Uhr ·
    Nicht „DIE“ Bürger von Hk protestieren, sondern nur ein Teil – bei weitem nicht die Mehrheit. Worum geht es? Wie im Artikel richtig festgestellt wollen Bürger nicht „chinesische Zustände“ in HK. Das ist auch logisch, denn wenn man unter den derzeitigen Zuständen gut verdient will man keine Änderung. Nur steht im Übergabevertrag „GB-VRC“, dass die SonderWirtschaftszone bis 2047 bestehen bleibt. Danach ist Schluss. HK war vor über einhundert Jahren Bestandteil von China und wurde an GB für 100 Jahre verpachtet (ebenso wie der Panamakanal Panama diesen an die USA verpachtete). Es wäre also vollkommen legitim, dass die Stadt wieder Bestandteil von China wird. Nichts anderes sagen die Vereinbarungen mit GB. Da die gut Verdienenden mit diesem Hintergrund Angst um ihre Zukunft haben und die Zeit voranschreitet (seit der Übergabe sind schon mehr als 20 Jahre ins Land gegangen) muss logischer Weise etwas unternommen werden. Den Anlass bildete die Absicht Chinas, nach HK geflohene Straffällige wieder nach China zurückholen zu können, damit sie ihre Strafe absitzen können und der Gerechtigkeit Genüge getan wird. Dabei geht es nicht um zweifelhafte Einzelfälle, sondern ganz einfach um das Prinzip. Leider spielen diese Zusammenhänge in den Medien in der ganzen Welt kaum eine Rolle. Hier werden Menschenrechte vorgeschoben. Man bedenke: Die als „Aktivisten“ von unseren Medien bezeichneten Personen verhinderten mehrere Tage den Flugbetrieb des Flughafens – ein Dreh- und Angelkreuz mit internationaler Bedeutung. Das sollten hier In Deutschland Leute mit dem Frankfurter Flughafen machen. Ob das dann auch „Aktivisten“ wären von denen die Presse redet? Es ist, wie es ist: Separatistische Kräfte gewinnen an Einfluss, missbrauchen Menschen für ihre Zwecke und die Medien berichten einseitig und hauen wie immer mit der großen Keule. Wenn jemand jahrzehntelang die westliche Presse genossen hat und immer wieder die selbe Leier vorgetragen bekommt dann hinterlässt das eben solche Spuren wie die östliche Presse in dem großen Land bei deren Bevölkerung. Dass Menschen in HK Angst vor der Zukunft haben? Sie sind eher unsicher, was genau passieren wird. Ob sich ihr Lebensstandard ändern wird. Aber das betrifft nur die einfachen Leute. Die wirklich wirtschaftlich starken Menschen wollen immer nur Eines: Noch mehr Profit. Und der lässt sich in einem eigenen (oder von ihnen kontrollierten) Staatsgebilde nunmal besser realisieren, als durch das, was da kommen wird. Was TC betrifft: Er muss wie alle anderen auch, die Gesetze jedes Landes respektieren und einhalten mit dem er zu tun hat. Wie jeder beliebige Tourist und jeder beliebige Bürger des Landes auch. Das ist doch keine neue Erkenntnis.
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    • Huu 13. Oktober 2019 um 00:30 Uhr ·
      Es gehen alle Bevolkerungsschichten auf die Straße, weil sie sich verständlicherweise gegen die Übernahme HKs durch eine chinesische Diktatur zur Wehr setzen. Dabei finde ich auch Zivilen Ungehorsam durchaus legitim. Auch geht die Welt nicht unter, wenn durch die Proteste mal der Flughafen blockiert ist. Es spielt doch außerdem keine Rolle ob vor zig Jahren irgendwelche Regierungen die Region mal verschachert haben! Ich würde mich genauso verhalten, wenn man mir die Demokratie nehmen wollte. Und wer weiß, ob wir nicht auch irgendwann in eine ähnliche Situation geraten, so wie die Chinesen schon seit längerem weltweit ganze Regionen „aufkaufen“.
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  4. nkl.dr 12. Oktober 2019 um 14:48 Uhr ·
    Ich finde das kein Vorwand sondern einfach die Wahrheit denn sie müssen sich überall an gesetzte halten ob in Deutschland, USA, Indien oder eben sich in China.
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  5. Tom 12. Oktober 2019 um 15:18 Uhr ·
    Ehrlich gesagt, hielte ich eine solche App auch in Deutschland für fragwürdig.
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    • Angbay 12. Oktober 2019 um 15:37 Uhr ·
      Würde in Deutschland sofort verboten werden
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  6. Benni 12. Oktober 2019 um 16:17 Uhr ·
    Wenn man nichts zu verbergen hat, braucht man solch eine App auch nicht.
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