Smartphone-Kontrolle: Von Bugs, Fehl- und Kurzschlüssen [Kolumne]

Im Durchschnitt fahre ich in Berlin täglich rund anderthalb Stunden mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Gegend, mit dabei: Zahlreiche andere Menschen und ähnlich viele Smartphones. In dieser neuen Kolumne – der Smartphone-Kontrolle -, die unregelmäßig und je nach Verfügbarkeit von Themen erscheinen soll, widme ich den Absurditäten rund um das Thema Smartphone, denen ich in den „Öffis“ begegne, einige Worte.

Mit Einzug des Winters beginnt in Berliner U- und S-Bahnen wieder die Zeit, in der man beim Einsteigen aus Angst vor bösen Blicken und sibirischen Temperaturen im Waggon lieber direkt die Tür hinter sich schließt. Diese Kälte war vor einigen Tagen auch das Gesprächsthema zweier Herren neben mir in der U6 gewidmet. „Warst du in den letzten Tagen mal länger spazieren? Das ist kaum auszuhalten!“, sagte der jüngere. Sein Begleiter brummte seine Zustimmung und brachte das Gespräch auf Smartphone-Akkus, spätestens zu diesem Zeitpunkt war ich hellhörig.

Für eine verbesserte Lesbarkeit kürze ich das Gespräch ein wenig ab: Das Smartphone des älteren geht beim Fotografieren in der Kälte („so um die fünf Grad“) regelmäßig aus und hat dann beim Anschluss an die Steckdose zuhause trotzdem direkt zwischen zwanzig und teilweise sogar fünfzig Prozent Akkuladung „übrig“.

Bugs, Fehlschlüsse und Kurzschlüsse

Die Gesprächspartner zogen daraus den folgenden Schluss: Die Kamera-Anwendung müsse einen Bug haben, der den Akku leersaugt oder zumindest dem System suggeriert, dass der Akku leer ist. Bis zu diesem Punkt konnte ich der Argumentation folgen und überlegte, wie ich meinen Einwurf über das Verhalten von Akkus in kalten Temperaturen am besten unauffällig platzieren und damit Apples Kamera-App ein wenig in Schutz nehmen könnte. Allerdings kam das Gespräch just in diesem Moment, vielleicht aufgrund von Glätte und Schnee, schlingernd von den Pfaden der Rationalität ab: „Ich gehe davon aus, dass die Kamera-App einen Fehler hat, der in meinem iPhone einen Kurzschluss auslöst und zur plötzlichen Entladung des Akkus und damit zum Absturz führt.“

Und plötzlich saß ich da, vermutlich mit offenem Mund und nicht in der Lage, irgendwas zu sagen. Der letzte Satz, dem der jüngere auch noch nickend und mit einem triumphalen „Mein Android-Telefon ist sowieso tausendmal besser“-Lächeln zustimmte, ergab tatsächlich keinerlei Sinn. Gar keinen Sinn. Auf allen Ebenen.

Ich gehe immerhin auch nicht davon aus, dass der drohende Bundesligaabstieg des VfB Stuttgart zum Ende der großen Koalition auf Bundesebene führt, nur weil beide Ereignisse im gleichen Land stattfinden – ebensowenig kann leider die Meisterschaft von Jürgen Klopps Liverpool den Brexit verhindern, nur weil ein deutscher Trainer in der englischen Fußballliga die Meistermannschaft betreut. Kurz nach diesem Schock musste ich die Bahn leider verlassen und damit das Ende dieser furiosen Gedanken-Irrfahrt verpassen. Ich hoffe, dass sie höchstens mit einer kurzen Google-Suche und bei Bedarf einem getauschten Akku endete und keine tiefgreifenderen Entschlüsse nach sich gezogen hat

Wie hat euch unsere neue Kolumne gefallen? Möchtet ihr in Zukunft weitere Smartphone-Kontrolle-Geschichten lesen? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

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Yannik Achternbosch
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5 Kommentare zu dem Artikel "Smartphone-Kontrolle: Von Bugs, Fehl- und Kurzschlüssen [Kolumne]"

  1. Alengelander 29. Januar 2019 um 12:33 Uhr ·
    Immer wenn du denkst dass doch keiner so blöd sein kann… Das kommt einfach daher weil sich die Leute überhaupt nicht mit den Dingen beschäftigen die sie dennoch täglich nutzen. Bestes Beispiel dafür sind die üblichen Berichte in Verbrauchersendungen über plötzliche Rechnungen durch irgendwelche Apps etc. in denen die Betroffen schlichtweg selbst schuld sind weil sie sich nicht mit der Thematik auseinandersetzen.
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  2. jackson 29. Januar 2019 um 14:26 Uhr ·
    sehr schön geschrieben! leider beschäftigt man sich viel zu wenig mit den Dingen aus seinem Alltag. Der Otto-Normal-Verbraucher erwartet halt das alles zu jeder Zeit funktioniert. Leider vergessen viele dabei die technischen Grenzen oder das, was man Mal früher im Physikunterricht gelernt hat
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  3. Christian B 29. Januar 2019 um 17:13 Uhr ·
    Gerne mehr davon.
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  4. ole 29. Januar 2019 um 19:17 Uhr ·
    Wenn du beruflich Smartphones verkaufst, weißt du welche Absurdidäten aus den Mündern der Kunden kommen können.
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  5. Micha 23. Februar 2019 um 19:16 Uhr ·
    Sehr schön und gerne mehr davon
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