Schlafen im Bus: Wie das Silicon Valley seine Einwohner vertreibt

Bei Apple um die Ecke zu wohnen kommt teuer. Wohnraum im Silicon Valley wird zunehmend schwer erschwinglich, doch nicht nur Apple treibt die Mieten und Eigenheimpreise in die Höhe.

Das Phänomen ist so neu nicht, in der Nachbarschaft des Apple Park macht es sich gerade wieder bemerkbar. Die Preise für Eigentumswohnungen steigen stetig und haben in der 120 Quadratmeter-Klasse inzwischen die Millionenmarke durchbrochen. Wohnungsbesitzer, aber auch andere Anwohner sorgen sich unterdessen um explosiv zunehmenden Verkehr und zugeparkte Einfahrten, wenn 12.000 Apple-Angestellte an Bord des Raumschiffs gehen.

Cupertino in 3D | Screenshot

Cupertino in 3D | Apple Maps – Screenshot

Während die Preise für Eigenheime wahlweise als Problem für Makler oder Applezentrische Anlagestrategien gesehen werden können, sind die Auswirkungen der geballten Tech-Präsenz auch für Nicht-Wohnungsbesitzer zu spüren.

Cupertino und Palo Alto: Die teuersten Quartiere der USA

Berlin ist zu teuer, Frankfurt sowieso und München unbezahlbar? Stimmt schon, mit Blick auf den deutschen Mietspiegel sind die Mieten in den Metropolen teils erschreckend hoch. An der Weltspitze liegen sie indes noch lange nicht. In Palo Alto lag der Preis für ein Haus mit 160 Quadratmetern Wohnfläche im vergangenen Jahr bei 2,5 Millionen Dollar, ein Plus von 50% in vier Jahren, zu teuer für die Arbeitnehmer der Mittelschicht, die beruflich an die Stadt gebunden sind. Dazu zählen im Valley Familien mit einem Jahreseinkommen von nicht weniger als 150.000 Dollar. Die Gemeinde hat inzwischen reagiert: Der soziale Wohnungsbau soll angekurbelt werden. Andererseits verknappen die Kommunen den verfügbaren Wohnraum künstlich durch restriktive Bauvorschriften. Der Zuzug von immer mehr Tech-Personal soll gebremst, die Vorstädte vom ärgsten Trubel verschont werden. Nicht nur die Eigenheim-, sondern auch die Mietpreise sind exorbitant. Für ein 16-Quadratmeter-Zimmer zahlte t3n-Korrespendent Moritz Stückler 2014 975 Dollar im Monat und kommt noch günstig weg. In anderen Stadtteilen San Franciscos starten die Mieten bei 1.500 Dollar. Die Stadt lag letztes Jahr nur auf Platz 11 der teuersten Städte der Staaten. Cupertino kam in die Top 5. Das Silicon Valley hat einen der höchsten Anteile an Wohnungslosen in den USA. Wiederum etwa drei Viertel erhalten auch keine Plätze in Notunterkünften, dafür freie Fahrt im Nahverkehr. Das Resultat: Zahlreiche Wohnungslose schlafen im Bus. Einige Linien fahren die ganze Nacht.

Das Leben im Valley offenbart verstörend gegensätzliche Facetten. Apple und Google zahlen Spitzengehälter und treiben die Lebenshaltungskosten für Anwohner immer weiter in die Höhe. Viele sind wütend, auf die Behörden, die Unternehmen, ihre Mitarbeiter. Dieser Zorn entlädt sich etwa, wenn die klimatisierten Google-Busse mit WiFi an Bord ihre Mitarbeiter aufsammeln und von erzürnten Anwohnern gestoppt und blockiert werden. Gegen die Vertreibung und den Ausverkauf von San Francisco protestierten etwa Bürgerinitiativen wie das San Francisco Displacement and Neighborhood Impact Agency. Die Konfliktlinien offenbaren schwer miteinander zu vereinbarende Standpunkte: Während die Unternehmen, die ihre Mitarbeiter mit privaten Shuttlebusses abholen, anführen, sie würden die Autobahnen frei von Berufspendlern halten, kritisieren die Gegner eine Abnutzung der öffentlichen Infrastruktur ohne Gegenleistung. Beide Positionen haben etwas für sich, es ist nur einer von vielen Aspekten des Lebens in einer Welt der Gegensätze. Wer es positiv ausdrücken möchte, nennt es „disruptiv“.

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Roman van Genabith
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