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Dreame W10 im Test: Zukunftsweisend, kompromissbehaftet

Der Dreame W10 beweist sich im Test als guter Saugroboter mit Wischfunktion der neuesten Generation. Die Saugleistung ist besser im Vergleich zu manchen Vorgängermodellen, die Putzergebnisse der sich drehenden Wisch-Pads sind okay. Ein Highlight ist die Ladestation, die den Roboter mit Wischwasser versorgt, dreckiges Wasser absaugt und die Mop-Pads automatisch reinigt. Vor allem, da man noch recht viel händisch erledigen muss, ist der Straßenpreis von ca. 780 Euro recht happig.   

Form neu gedacht

Ein kurzes Exkurs: Bekanntlich hat sich bei den Gehäusen der Roboterstaubsauger die Zylinderform durchgesetzt. Dadurch sind sie flexibler und verkanten nicht so leicht an Gegenständen. Das Problem, Raumecken mit dieser Scheibenkonstruktion schlechter zu erreichen, wollten die Hersteller mit der Seitenbürste (ähnlich zu einer Straßenkehrmaschine) beheben. Das funktioniert aber je nach Modell eher mittelprächtig.

Der Dreame W10 versucht, dieser Herausforderung mit seiner D-Form Herr zu werden. Und tatsächlich: Im Gegensatz zu einem komplett runden Sauger erreicht er die Ecken viel besser und sammelt dadurch mehr Staub ein – Voraussetzung: Er traut sich nah genug an die Wand heran; mehr dazu später.

Auch sonst hat sich der asiatische Hersteller beim W10 an ein überarbeitetes Äußeres getraut. Im Vergleich zum nun abgesetzten Top-Modell, dem Dreame Z10 Pro (zum Review), sind die Sensoren komplett neu angeordnet und sehen auch anders aus. Das Material ist nun glänzend weiß statt matt-grau-schwarz. Das lässt ihn zwar hochwertiger aussehen, Dreck und Abnutzungsspuren fallen aber schneller auf. Auch die Unterseite erscheint in neuer Optik: Die Hauptbürste ist nun länger und es finden sich zwei Wisch-Pads, die während der Reinigung befeuchtet werden und sich drehen.

Auf den hinteren beiden Stiften halten die Wisch-Pads magnetisch.

Auf den hinteren beiden Stiften halten die Wisch-Pads magnetisch. (Bild: Valentin Heisler)

Absaugstation: Wasser marsch!

Seit einiger Zeit erregen die Ladestationen von Saugrobotern mehr Aufsehen als die kleinen Putzteufel selbst – so auch beim Dreame W10. Die sehr wuchtige Ladestation beherbergt zwei 4-Liter-Kanister, wovon einer für Frisch- und einer für Dreckwasser ist. Daraus ergibt sich die größte Besonderheit des Modells: Die Ladestation kümmert sich selbstständig um das Befüllen und Entleeren des Wasserkanisters im Roboter. Und das funktioniert erschreckend gut.

Die beiden Kanister benötigen viel Platz, weswegen die Ladestation sehr groß ist.

Die beiden Kanister benötigen viel Platz, weswegen die Ladestation sehr groß ist. (Bild: Valentin Heisler)

Im vorderen Teil der Station befindet sich außerdem eine Reinigungsfläche für die Wisch-Pads des Roboters. Vor und nach jedem Reinigungsvorgang werden dort die Wischer gereinigt. Auch während des Reinigungsvorgangs reinigt sich der Roboter selbst: Nach einer festgelegten Wischfläche von 5, 10 oder 15 qm fährt er selbstständig zur Station zurück, spült die beiden Pads durch, wechselt das Wasser und lädt währenddessen ein bisschen auf. Dadurch dauert die Reinigung natürlich auch erheblich länger. Doch auch nach dem Reinigen ist noch nicht Feierabend: Dann beginnt die automatische Trocknungsfunktion für die Wischpads, die ebenfalls lange dauert und in Wohnräumen gut hörbar ist. Man kann sie aber manuell deaktivieren.

Der Roboter braucht Personal

Insgesamt spart das automatische Wischen, Wasserwechseln und Mop-Reinigen sehr viel Zeit und ist durchweg hygienisch. Allerdings darf man fleißig mithelfen, damit der Roboter fleißig reinigen kann. So müsst ihr einerseits die Wasserkanister befallen und entleeren; und das gar nicht mal so selten. Die 4 Liter reichen gerade einmal aus, um meine Wohnung etwa zweimal mit der geringsten Feuchtigkeitsstufe zu wischen. Das entspricht einer Nettofläche von insgesamt 140 qm. Da ich aufgrund des hohen Kalkgehalts im Leitungswasser nur auf destilliertes Wasser zurückgreife, werde ich öfter in die Drogerie gezwungen, als es mir lieb ist. 

Auch benötigt die Ladestation sehr viel Liebe und Zuneigung. So ist die Bodenplatte und vor allem die Mop-Reinigungsstation nach kürzester Zeit derart verdreckt, dass man alles gehörig säubern muss. Vorteil: Nach dem Lösen zweier Clips lässt sich die Bodenplatte ganz einfach aus der bulligen Ladestation herausziehen. Steht der Roboter allerdings in seinem Häuschen, kommt man sehr schlecht an die Clips heran. Auch solltet ihr den Dreckwasser-Kanister möglichst nach jeder (!) Reinigung entleeren und kurz ausspülen. Da es im Inneren der Station nämlich recht schnell warm wird – nicht zuletzt aufgrund der Heißlufttrocknung der Wischer – gammelt die Suppe sehr schnell vor sich hin.

Im Hinteren die Reinigungsstation für die Wischer, links und rechts die Entriegelung der Bodenplatte.

Im Hinteren die Reinigungsstation für die Wischer, links und rechts die Entriegelung der Bodenplatte. (Bild: Valentin Heisler)

Beim Dreame Z10 Pro wusste ich das automatische Absaugen des Staubbehälters sehr zu schätzen, da der Dreck in einem großen Beutel gesammelt wurde und man ihn somit hygienisch wegwerfen konnte. Somit störte auch das Fassungsvermögen des Staubbehälters von lediglich 400 ml nicht. Beim W10 sieht die Sache aber gänzlich anders aus: Man muss den mit 450 ml ebenfalls recht kleinen Staubbehälter wieder händisch leeren – willkommen in der Vergangenheit. Außerdem kann man die Klappe, unter der sich der Behälter befindet, nur öffnen, wenn er nicht im (sehr niedrigen) Ladehäuschen steht. Vielleicht sollte auch hier die herausnehmbare Bodenplatte Abhilfe schaffen. Aber wie ihr schon wisst, kann man deren Entriegelung nur schwer betätigen, wenn der Bot in der Station ist. Ist das dieser besagte Teufelskreis?

Die Station ist wortwörtlich "The elephant in the room".

Die Station ist wortwörtlich „The elephant in the room“. (Bild: Valentin Heisler)

Navigation und Hinderniserkennung

Die Navigation des Z10 Pro hatte ich in seinem Test sehr gelobt. Beim W10 bin ich etwas zwiegespalten. Zuerst zum Positiven: Gefühlt würde ich von einer verbesserten Fahrgeschwindigkeit und Reaktionszeit sprechen. Gerade beim Einfahren in die Ladestation macht sich das bemerkbar. Ob das am – laut Hersteller – performanteren LiDAR-System liegt, kann ich nicht sagen. 

Auf der anderen Seite bin ich mit der Navigation nicht immer zufrieden. Bevor der Roboter einen Raum in Linienform reinigt, fährt er zuerst die Raumgrenzen ab, also Wände oder Möbel. Doch selbst bei einer normalen Wand ohne Hindernisse fährt der Roboter oft nicht gerade an ihr entlang, sondern mit etlichen Schwenks und Kurven. Logischerweise hinterlässt das ungereinigte Stellen. Beim Z10 Pro kann ich mich daran nicht erinnern.

Hier kann man das kurvige Abfahren von eigentlich geraden Wänden gut erkennen.

Hier kann man das kurvige Abfahren von eigentlich geraden Wänden gut erkennen. (Screenshot: Valentin Heisler)

Was mir wiederum sehr gut gefallen hat, ist die Teppicherkennung. Da die drehenden Wisch-Pads nicht auf Teppiche fahren dürfen, lässt sie der Dreame W10 beim Wischen aus. Wahrscheinlich hilft diese Funktion dem W10 auch dabei, flache Gegenstände wie Socken besser zu erkennen. Denn allgemein ist die Hinderniserkennung gewohnt gut.

Etwas Tadel muss ich noch verteilen: Denn einige Male ist der W10 mit Vollstoff in verbotene Zonen gefahren. Im meinem Fall ist das nur die begehbare Dusche, dennoch ist das nervig. Denn er fängt dann zu quengeln an und man muss ihn händisch wieder in einen ‚erlaubten‘ Bereich befördern. 

Super App, Einrichtung anstrengend

Da Dreame zum Xiaomi-Ökosystem gehört, profitieren die Saugroboter enorm von der Xiaomi-Home-App als Steuer- und Verwaltungszentrale. Zahlreiche Funktionen, eine Alexa-Anbindung oder das Freigeben des Zuhauses für andere Personen machen die Verwendung wirklich einfach. Mit den Übersetzungsfehlern hier und da kann man leben. 

Man merkt auch, dass Dreame bei der Anpassung der App-Funktionen mitgedacht hat. So bietet die App spezifische Features, die auf den W10 entsprechend angepasst sind. Dazu gehören zum Beispiel das manuelle Steuern der Wisch-Pad-Säuberung oder -Trocknung, angepasste Saug- und Wischmodi oder verschiedene Feuchtigkeitsstufen. 

Die Einrichtung ist unverändert zu den vorherigen Modellen und benötigt definitiv etwas Zeit. Nach dem Aufbau muss man eine Tastenkombination drücken, damit sich der Roboter in den Pairing-Modus begibt. Nun müsst ihr natürlich erstmal dafür sorgen, dass sich der Dreame nicht mit eurem 5-GHz-Netzwerk verbinden möchte. Schaltet es am besten aus, damit nur der 2,4-GHz-Zugang übrig bleibt. Doch auch dann ist es mehr oder weniger Glücksache, ob die Einrichtung beim ersten Anlauf klappt – Durchhalten ist die Devise!


Gute Reinigung und Akkulaufzeit

Kommen wir noch zu zwei der wohl wichtigsten Punkte. Bei der Saugkraft gibt Dreame 4.000 Pa an, was für Roboter eine ganze Menge ist und womit auch schon der Z10 Pro aufwartete. Tatsächlich bewerte ich die Saugleistung des W10 im Turbomodus aber besser als beim Vorgänger, der hier und da etwas schwächelte. Der W10 erreicht eine ausreichend gute Saugleistung, die mit dem durchschnittlichen Haushaltsschmutz fertig wird. Speziellerer Dreck wie Putz- und Mauerreste oder Sand machen ihm dagegen auch Probleme. Für größere Aktionen solltet ihr ohnehin einen kraftvollen Akku- oder Kabelstaubsauger in der Hinterhand haben.

Was mit dem reinen Saugen nicht entfernt werden kann, soll der Wischfunktion zum Opfer fallen. Hierzu habe ich ja bereits ein paar Worte zur Technologie dieses Features verloren. Ganz nüchtern betrachtet, erhaltet ihr gegenüber einem bloßen Wischtuch, das hinter dem Sauger hinterhergezogen wird, ein deutliches Upgrade. Doch ist es das auch wert? In meinem Test zum Z10 Pro habe ich geschrieben, dass ein feuchtes Tuch bereits gute Dienste leistet, um losen Staub und Schmutzpartikel noch effizienter entfernen zu können. Daran halte ich auch fest. Und ja, im Segment der ‚einfachen Schmutzbeseitigung‘ haben die zwei rotierenden Map-Pads des W10 die Nase vorn. Leicht angetrocknete Erde, verschütteter Saft oder nicht aufgesaugter Staub fallen den Wischern zum Opfer. Der größte Vorteil ist, dass der Wassertank des Roboters die Pads nicht nur mit frischem Wasser versorgt, sondern auch dreckiges Wasser wieder einsaugt. Doch mehr sollte man sich nicht erhoffen. Denn auch das Rotieren macht ernsthaftem Schmutz, etwa getrockneter Milch oder fiesen Fettrückständen, keine Angst. Da bedarf es echtem Schrubben und Putzmittel. Einen Nachteil muss ich noch ansprechen: Die Wischfläche der beiden Pads ist erheblich schmäler als der Corpus des Roboters. Die Folge ist, dass etwa beim Entlangfahren an einer Wand immer ein breiter Streifen nicht gewischt wird.

Ein paar Worte zur Akkulaufzeit: Sie scheint, besser geworden zu sein. Mit einer 6.400-mAh-Batterie hat der Dreame W10 auch einiges an Power. Für 70 qm Reinigungsfläche benötigt er im Turbomodus um die 80-85 Prozent Akku bei einer Zeit von 73 Minuten. Die paar Prozent, die er während der Mop-Reinigung dazuhält, habe ich außen vor gelassen. Eine kleiner Zuwachs in Sachen Intelligenz: Zwar fährt er immer noch bei 15 Prozent Restlaufzeit zurück zum Laden (auch wenn er nur noch 2 qm zu reinigen hat). Dafür lädt er aber nicht mehr bis 100 Prozent auf, sondern startet bereits bei knapp über 30 Prozent – super Dreame!

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Valentin Heisler
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1 Kommentar zu dem Artikel "Dreame W10 im Test: Zukunftsweisend, kompromissbehaftet"

  1. Markus 24. April 2022 um 18:34 Uhr ·
    Das Ding ist wirklich toll. Ich habe den Roboter vor 8 Wochen meiner Schwester geschenkt und seitdem benutzt sie ihn täglich- Sie ist weiterhin begeistert. Die Einrichtung war easy und das Ergebnis der Reinigung sieht super aus. Klar gibt es mittlerweile auch den Pro, aber mit dem hier macht man nichts falsch.
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