Kommentar zu Kurzbefehlen: Ich will nicht Apples Arbeit machen

Hurra, Die Kurzbefehle sind da – oh Schreck, die Kurzbefehle sind weg. Oh ein Glück, die Kurzbefehle sind zurück. Ehrlich, dieser kleine Reim fiel mir ohne Mühe ein, ging fast von selbst. Klingt etwas zynisch? Gewiss, denn der ganze Hype um diese Kurzbefehle ist mir völlig unzugänglich. Ich sehe hier viel mehr die Unfähigkeit Apples, ein vernünftiges Produkt zu liefern, auf beeindruckende Weise in Stein gemeißelt.

Was war plötzlich die Aufregung groß: Die Aktualisierung auf iOS 12.1.1 brachte auch ein Update der Kurzbefehle-App auf Version 2.1.2.

Doch was ist das: Auf einmal wollen die kleinen Sprach-Makros bei einigen nicht mehr. so’n Ärger. Ein Glück, Apple hat das Problem anscheinend inzwischen repariert.

Anscheinend? Richtig, ich weiß es nämlich nicht mit Bestimmtheit, hab diese kleine Krise nur oberflächlich überflogen. Ich kann mit dieser ganzen Geschichte so gar nichts anfangen und das ist – ich gebe es freimütig zu – auch der Grund, warum man hier kaum etwas über Kurzbefehle liest. – meine Kollegen sind nämlich von der App und dem ganzen Konzept mehrheitlich genauso wenig inspiriert wie ich.

Ich will nicht Apples Arbeit machen

Kurzer Exkurs: Kurzbefehle, das war früher die App Workflow und die war ein mächtiges Werkzeug für Power-User. Man konnte damit alle möglichen raffinierten ereignisgesteuerten Prozeduren erstellen. Passiert das, mach das.

Ist der Staubsauger müde, mach die Kaffeemaschine an. – geht die Sonne unter, stell das Flutlicht an… oder solche Sachen. Ganz ehrlich, ich habe auch davon nicht viel Ahnung, aber ich sehe zumindest, das kann spannend sein. Und einige Nerds haben auch wirklich Freude daran, die ausgefallensten Routinen zu programmieren, ob sie nun im Alltag sinnig sind oder nicht.

Workflow-Icon Workflow-Icon

Für den Durchschnittsnutzer wird das ganze selten spannend. Dann kam Apple und kaufte Workflow. Und zunächst änderte sich nichts. Die App wurde dauerhaft kostenlos und alle Nutzer konnten sich an komplexen Schlaufen und Schleifen erfreuen und nur, um das klarzustellen: Das geht auch immer noch, so wie ich es verstehe.

Nur kam Apple später dann auf die Idee, sein Versagen bei der Entwicklung von Siri durch den Nutzer kompensieren zu lassen. Denn weil Siri nach wie vor fast nichts kann, soll der Nutzer sie nun anlernen.

Kurzbefehle - Apple Kurzbefehle – Apple

Per Kurzbefehl kann man Siri alle möglichen Sachen beibringen, die machen zwar für mich auf den ersten Blick auch alle überhaupt keinen Sinn, aber gut. Wer eine Menge Smart Home-Geräte hat und einen Wagen mit CarPlay fährt, der kann vielleicht ganz praktische Prozeduren erstellen. Und vor lauter Freude über eine laufende Heizung beim Heimkommen vergisst er, dass er zunächst diesen Befehlssatz zusammenbauen musste. Aber wie heißt es doch so schön: Selbst gemacht, macht am meisten Freude.

Das ist aber Apples Aufgabe. Siri ist laut Stellenbeschreibung eine smarte Assistentin, doch was ist smart daran, ihr ständig alles eingeben zu müssen, was sie tun soll?

Entwickler und Nutzer im Kurzbefehle-Fiber

Um es auf den Punkt zu bringen: Ich will eine Assistentin, die natürliche Sprache möglichst intuitiv erkennt – sprich auch verschiedene Formulierungen kapiert – und nicht von mir programmiert werden muss.

Ich will mit Siri nach einem Flug oder einem Zug suchen, fragen, ob er pünktlich ist und anschließend das Wetter am Zielort wissen und das alles, ohne vorher ein einziges verdammtes Makro erstellen zu müssen.

Doch Apple hat alle schwindelig geredet: Inzwischen gibt es gefühlt hunderte Apps, die eigene Kurzbefehle anbieten. Der DB Navigator hat Kurzbefehle für die häufigsten Reiseziele im Gepäck, Evernote und Wunderlist haben auch Kurzbefehle und Apple selbst will natürlich auch nicht fehlen.

Und Siri? Deren Entwicklung stagniert derweil. Wieso auch noch weiter dran arbeiten, wenn doch Nutzer und Entwickler das per Kurzbefehl richten. Einen einzigen Grund gibt es, der Siris Entwicklung verlangsamt: Apples Bekenntnis zum Datenschutz. Es ist aber schwer zu erkennen, was daran vorgeschoben ist, um fehlende Motivation oder Kompetenz zu verschleiern und was wirklich der Privatsphäre-Problematik geschuldet ist.

Und ich bin ein bequemer Mensch. Ich möchte meiner Assistentin sagen können, was sie tun soll und nicht an Worten herumbasteln.
und wenn ich dafür auf Datenschutz verzichten und auf Alexa-Niveau downgegradet werden muss, so möge es geschehen.

Kurzbefehle sollte das bleiben, was es früher war: Ein Werkzeug für Power-User.

Der Alltagsnutzer aber kann vielleicht noch einen Alexa-Skill akzeptieren, denn der beinhaltet im Idealfall noch etwas mehr als eine stupide Befehlsabfolge, mit Kurzbefehlen will er sich sicher nicht abmühen.

Eine Assistentin, der man alle Aufgaben mundgerecht vorkauen muss, braucht niemand.

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Roman van Genabith
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14 Kommentare zu dem Artikel "Kommentar zu Kurzbefehlen: Ich will nicht Apples Arbeit machen"

  1. KiduKidu 6. Dezember 2018 um 18:42 Uhr · Antworten
    Sehe ich genauso! Danke, dass ihr mir aus der Seele spricht!
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  2. Christian B 6. Dezember 2018 um 18:52 Uhr · Antworten
    Funktioniert leider bei mir immer noch nicht die Befehle mit Siri.
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  3. Stephan 6. Dezember 2018 um 19:09 Uhr · Antworten
    Sehe ich nicht so!
    iLike 15
  4. Thorsten 6. Dezember 2018 um 19:16 Uhr · Antworten
    Nutze Siri so gut wie gar nicht. Muss ehrlich sagen, dass Cortana der bessere Sprachassistent ist . Und bevor es Kommentare hagelt, Alexa & Google kann ich nicht beurteilen, da ich die nie hatte oder verwendet habe. ( Google logischerweise wegen dem hervorragendem Datenschutz) .
    iLike 1
  5. Pddy 6. Dezember 2018 um 19:17 Uhr · Antworten
    Naja, Apple kann es eben nicht jedem recht machen – und erst recht nicht Siri jeden Befehl beibringen, den man gerne hätte. Daher ist die Kurzbefehle-App eigentlich doch ganz schön. Natürlich darf das aber nicht bedeuten, dass Apple nicht mehr weiterentwickeln soll. Denn natürlich ist auch die Kurzbefehle-App nicht optimal…
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  6. H.L 6. Dezember 2018 um 19:23 Uhr · Antworten
    Die Einhaltung des Datenschutzes ist für mich der wichtigste Grund, warum ich die Produkte von Apple nutzen. Ich finde es richtig klasse, was man alles mit den Kurzbefehlen machen kann. Ich nutze die App sehr viel. Entscheidend ist, dass man sich die Befehle so bauen kann wie man will. Dafür brauche ich keine vorgefertigten von Apple. Was mich aber nervt ist, dass Apple aus den Einstellungen nicht alles freigegeben hat. Es gibt immer noch zu viele Einstellungen, die ich manuell aktivieren muss. Jeder Nutzer sollte selber entscheiden können, was er machen will.
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  7. Halb&Halb 6. Dezember 2018 um 19:30 Uhr · Antworten
    Der Kurzbefehl zum anrufen finde ich, ist der größte Brüller. Siri ist nach den vielen Jahren einfach zu nix zu gebrauchen. ‚Erinnere mich am Freitag 15:30Uhr an (z.B.) Autowerkstatt ‘ ‚Ok, an was möchtest du erinnert werden‘. Da bekomm ich Krampf‘
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    • Sandro 6. Dezember 2018 um 19:52 Uhr · Antworten
      Funktioniert ohne Probleme: „Neue Erinnerung nächsten Freitag 15:30 Uhr Autowerkstatt“
      iLike 4
      • Roman van Genabith 6. Dezember 2018 um 19:53 Uhr ·
        Ja, manchmal klappt es, manchmal nicht. Ich habe das oben beschriebene Fehlerverhalten auch schon mehr als einmal erlebt.
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  8. pow 6. Dezember 2018 um 21:29 Uhr · Antworten
    Da kann man individuell seine Shortcuts und Befehle erstellen und anpassen, kriegt nichts „vorgeschrieben“, und schon wird geheult. Ja…Freiheit und Möglichkeit zur eigenen Kreativität überfordert manche scheinbar nicht nur, sondern ist für manche ein Fluch.
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  9. Simon 6. Dezember 2018 um 22:23 Uhr · Antworten
    Kurzbefehle ist das unnötigste, was Apple je rausgebracht hat. Kann nicht mal erkennen, dass „Ich habe“ und „Ich hab“ das selbe bedeutet. Unbrauchbar.
    iLike 0
    • H.L 7. Dezember 2018 um 00:34 Uhr · Antworten
      Unnötig ist die App überhaupt nicht. Problem ist leider, dass sie nicht leicht zu bedienen ist. Am besten man schaut sich die Beispiele an uns lernt aus diesen Einstellungen. Hat man sich erst mit der Thematik beschäftigt, wird das Potential der App sichtbar. Und das ist schon klasse
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  10. Benedikt 7. Dezember 2018 um 00:39 Uhr · Antworten
    Ich finde die Idee von Apple ziemlich gut, allerdings die Umsetzung etwas mangelhaft. Die Ideen für Kurzbefehle sind leider nicht wirklich anwendbar und man kann einfach mit der „Warten“ Funktion wenig sinnvolle Befehle „programmieren“. Ich wollte z.b. eine Schlaf und Aufsteh Routine mit Sonnenaufgang und vielem mehr erstellen, allerdings wird der Befehl automatisch nach ein paar Minuten abgebrochen. Dies finde ich enorm schade und versaut viele Kurzbefehlideen.
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  11. Klaus 8. Dezember 2018 um 11:54 Uhr · Antworten
    Also wegen so einem Beitrag müsste man den Blog hier eigentlich deabonnieren! Wer denkt, dass Apple nicht mehr an der Entwicklung des Sprachassistenten arbeitet, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Und wer selbst zugibt, dass ihm das Erstellen eines Kurzbefehls zu kompliziert ist braucht niemandem fehlende Kompetenz bei der Entwicklung eines Sprachassistenten zu unterstellen.
    iLike 2