Großer Deal für Kabelmarkt: Vodafone und o2 beschließen Zusammenarbeit

Der Mobilfunkanbieter Vodafone möchte bekanntlich Unitymedia übernehmen. Der EU-Kommission gefällt dies selbstredend nicht so ganz, zu sehr sieht man die Gefahr für den Wettbewerb. Vodafone will deshalb einen Deal mit der Telefónica, dem Mutterkonzern von o2. Die Folgen? Die Telekom kommt unter Druck. Der Verbraucher profitiert.

Der deutsche Mobilfunkmarkt dümpelt seit Jahren auf den letzten Plätzen herum. Zu teuer, zu wenig Datenvolumen und zu geringe Geschwindigkeiten. Gleiches kann man auch über den heimischen DSL-Markt behaupten, wenngleich es hier noch etwas trüber ausschaut. Die Telekom setzt zurzeit weiterhin mithilft Super-Vectoring auf Kaisers Kupferdrähte und der Kabelmarkt ist deutschlandweit zersplittert. Ein Umstand, den vor allem Vodafone gerne ändern möchte und deshalb vor ziemlich genau einem Jahr Pläne zur Übernahme von Unitymedia verkündete.

o2 Kooperation als Besänftigung für Wettbewerbskommission?!

Etwas überraschend hat Vodafone heute die Zusammenarbeit mit dem Anbieter o2 bzw. die Idee dahinter vorgestellt. So wollen die Düsseldorfer freiwillig Kapazitäten zu festgelegten Konditionen und Laufzeiten an die Telefónica-Tochter abtreten und so Breitband-Anschlüsse unter dem o2 Logo ermöglichen.

Damit will Vodafone dem im Raume stehenden Vorwurf der Monopolbildung entgegentreten. Ein Vorwurf, den auch die Behörden so sehen und deshalb eher negative Signale an Vodafone bezüglich der Übernahme ausgesandt haben.

Vodafone hofft nun, mit dieser Ankündigung, den Vorwurf zu entkräften. Gleichzeitig stellt man aber klar, dass man die Zusammenarbeit mit o2 wegen der wettbewerbsrechtlichen Bedenken auf die Beine gestellt habe. Wer jetzt also als o2-Kunde  auf einen zeitnahen Breitband-Anschluss hofft, muss darauf setzen, dass die Männer der Wettbewerbskommission der Argumentation von Vodafone folgen. Ohne die Übernahme von Unitymedia gibt es kein Breitband bei o2, so Vodafone ziemlich deutlich.

Ab wann kann man mit Breitband-Anschlüssen bei o2 rechnen?

Sofern die Übernahme durch das Absegnen der Wettbewerbskommission erfolg ist, wird es wohl noch bis 2020 dauern, bis man als o2-Kunde die ersten Breitband-Anschlüsse buchen kann. Gründe dafür sind relativ einfach. Die beiden Systeme müssen für den Bestellprozess aneinander angeglichen und Schnittstellen zur Schaltung geschaffen werden.

Wettbewerbsrechtliche Bedenken

Schon damals teilten sich sowohl kritische als auch positive Stimmen in ziemlich genau zwei gleichstarke Lager. Die einen fürchten aufgrund der Größe von Vodafone als Kabelnetzbetreiber sowie der Möglichkeit Handy, DSL und Fernsehen aus einer Hand in einem Paket anbieten zu können, einen neuen Monopolisten. Ein Umstand, der angesichts von potenziell mehr als 60% aller zu erreichenden Haushalte nicht von der Hand zu weisen ist.

Die positiven Stimmen hingegen erwarten einen besseren Wettbewerb, von dem auch der Kunde profitieren werde. Denn der größte Wettbewerber, die Telekom, welche knapp 40% aller verfügbaren Haushalte erreicht und somit nur unwesentlich kleiner ist, sehe sich angesichts dessen gezwungen, das eigene Entwicklungstempo deutlich zu erhöhen. Das bedeutet im besten Fall also mittelfristig mehr Wettbewerb und eine schnellere Digitalisierung unseres Landes.

Kampf der Technologie

Die Telekom setzt bei der sogenannten letzen Meile weiterhin auf das Kupferkabel, ein Relikt aus den kaiserlichen Zeiten, wobei das nicht so ganz stimmt. Natürlich spielen Kostenfaktoren eine Rolle, aber viel entscheidender sind die örtlichen Behörden, die der Telekom immer wieder strenge Auflagen zuteilen. Wie dem auch sei, durch diesen Stand der Technik ist die maximale Geschwindigkeit auf max. 250 Mbit/s begrenzt.

Im Kabelnetz hingegen mit dem aktuellen Docsis-3.1-Standard lassen sich gegenwärtig Geschwindigkeiten von mehr als einem Gigabit/s realisieren. Das hätte aus produkttechnischer Sicht natürlich einen enormen Vorteil gegenüber der Telekom. Dies und der Faktor der Reichweite nach der erfolgten Übernahme von Unitymedia durch Vodafone lassen bei den Wettbewerbshütern die Alarmglocken läuten.

Schauen wir mal, wie es sich entwickelt und, ob dieser Vorschlag die Wettbewerbshüter tatsächlich besänftigen kann. Was ist Eure Meinung zu diesen Plänen? Profitiert eh nur der Verbraucher?

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Patrick Bergmann
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4 Kommentare zu dem Artikel "Großer Deal für Kabelmarkt: Vodafone und o2 beschließen Zusammenarbeit"

  1. iPhone_User 7. Mai 2019 um 17:41 Uhr · Antworten
    Super!! So entsteht endlich ein richtiger Wettbewerb gegen das Landesweite Monopol der Telekom in Deutschland!!! Wird auch mal Zeit 👍
    iLike 4
    • Devil97 7. Mai 2019 um 18:29 Uhr · Antworten
      In welcher Welt lebst du denn? Das Monopol ist schon lange weg. Und eine Kabeltechnik ist beste Konkurrenz schon immer gewesen, egal wem die Technik aktuell gehört
      iLike 6
  2. fipiblitz 8. Mai 2019 um 01:38 Uhr · Antworten
    Telekom ist qualitativ besser
    iLike 1
  3. Heinzelmännchen 8. Mai 2019 um 09:00 Uhr · Antworten
    Also in Litauen sind ja in 100% der Haushalte Glasfaserkabel verlegt. Klar ist das ein Kostenpunkt das hier umzurüsten aber allein die Preise die wir für die Daten bezahlen sind wirklich extrem. (Litauen: 10 GB – 10€!)
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