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Frontalcrash: E-Bike-Hersteller VanMoof ist insolvent und steht wohl vor dem endgültigen Aus

Es gibt viele Firmen, die sich in ihrem Marktsegment als „das Apple im Bereich XY“ sehen. Im Markt der E-Bikes hat sich VanMoof diesen Anspruch an das Revers geheftet und schaffte es sogar, sich eine Partnerschaft mit dem Unternehmen zu sichern, als es um die Öffnung der „Wo ist?“-Funktion ging. Doch nun scheint das niederländische Unternehmen einen Frontalcrash hingelegt zu haben, von dem man sich nicht mehr erholen könnte. 

Gerüchte über erneute Insolvenz scheinen sich zu bestätigen

Obwohl der Markt für E-Bikes seit Jahren mit Ausnahme von 2021 konsequent wächst, können nicht alle Anbieter gleichermaßen davon profitieren. Besonders hart trifft es dabei den Pionier VanMoof, der nun endgültig in Schieflage geraten zu sein scheint. Schon Ende 2022 drohte dem Unternehmen das Aus, eine Insolvenz konnte in allerletzter Sekunde abgewendet werden – unter anderem durch Stundung von offenen Rechnungen bei seinen Zulieferern. Doch die Altlasten scheinen zu7 hoch gewesen zu sein. Wie The Verge berichtet, hat sich das Unternehmen in seiner Heimat Amsterdam an die entsprechenden Gerichte gewandt, um Rechtsschutz zu erhalten, bis alle offenen Zahlungen geleistet werden können.

Die sogenannte vorläufige „surseance van betaling“ (was grob übersetzt „Aussetzung der Zahlung“ heißt), die VanMoof eingegeben hat, wird in der Regel für einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten gewährt und – was wichtig ist – soll Unternehmen helfen, Konkurs zu vermeiden. Es ist jedoch auch oft der erste Schritt in Richtung eines Insolvenzverfahrens. Nach niederländischem Recht können Gläubiger ihre Schulden nicht während der Aussetzung der Zahlungsfrist geltend machen, die endet, sobald alle Gläubiger bezahlt sind, eine endgültige Vereinbarung mit den Gläubigern (privat oder gerichtlich) getroffen wird oder wenn das Unternehmen für bankrott erklärt wird.

Stores werden geschlossen

Im Zuge dessen hat man seine Marken-Stores geschlossen – offiziell, um die Sicherheit seiner Mitarbeiter zu gewährleisten. Denn nicht nur der Verkauf neuer E-Bikes inklusive der vor zwei Monaten vorgestellten neuen Modelle wurde eingestellt, aktuell werden auch keine Reparaturen oder andere Wartungsverpflichtungen erfüllt. Das erzürnt erwartungsgemäß viele Kunden, denn günstig waren die E-bikes von VanMoof nicht. Run 2500 bis 3500 Euro musste man für ein VanMoof hinlegen, hinzu kommen noch Wartungsleistungen, die man sich mit bis zu 600 Euro bezahlen ließ. Problematisch wird es zudem, dass VanMoof nahezu alle Bauteile wie Schaltung, Bremsen oder das Kick-Schloss selbst entwickelt und in Übersee im Auftrag hat fertigen lassen. Ersatzteile dürften bei einer Abwicklung des Unternehmens für Besitzer eines VanMoof also nur schwer zu bekommen sein.

Probleme nie nachhaltig gelöst

Warum VanMoof scheinbar in die endgültige Insolvenz geschlittert ist, lässt sich nur schwer erahnen. Brancheninsider sagen aus, dass VanMoof jedes einzelne E-Bike mit einem Verlust verkauft hat. Dafür fehlt uns das Know-How. Was wir aber festhalten können, sind diverse Qualitätsprobleme, die man nie in den Griff bekam. Speziell die Schaltung erwies sich als enorm fehleranfällig, wobei hier der E-Shifter der Übeltäter war. Auch bei der Materialauswahl für die Dichtungen der Knöpfe war oftmals eher minderwertig. VanMoof besserte zwar in der Garantie immer kostenfrei nach, doch man musste das Bike abholen lassen. Kurzzeitig setzte man auf autorisierte Service-Werkstätten, doch auch dies war keine dauerhafte Lösung. Dabei hatte VanMoof mit dem grundlegenden Konzept viele Dinge richtig gemacht. Ein schlankes und minimalistisches Design mit im Rahmen integrierte LEDs, komplett im Rahmen integrierte Kabel, eine konsequente App-Anbindung und ein Display auf der Rahmenstange. Zudem war der Boost-Button eine clevere Idee, um den fehlenden Drehmoment-Sensor zu kompensieren. Lediglich der fest verbaute Akku war etwas abschreckend.

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Patrick Bergmann
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3 Kommentare zu dem Artikel "Frontalcrash: E-Bike-Hersteller VanMoof ist insolvent und steht wohl vor dem endgültigen Aus"

  1. neo70 13. Juli 2023 um 22:07 Uhr ·
    Zu wenig Entwicklung und Mut zu Neuen. Eins, zwei, drei, vier und fünf sahen doch immer gleich aus, oder täusche ich mich.
    iLike 0
  2. Robert 14. Juli 2023 um 01:51 Uhr ·
    Ich liebe mein Vanmoof S3, obwohl ich auch mal was wechseln musste. Das Fahrgefühl ist schon recht einzigartig. Qualitativ könnte einiges besser sein und dafür hätte ich auch gern mehr bezahlt! Ich fände es sehr schade, wenn Vanmoof es nicht schafft :-/
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  3. r_k 16. Juli 2023 um 00:42 Uhr ·
    Fest verbauter Akku ist kein kleines Hindernis, sondern in Bezug auf bald geltendes EU-Recht quasi ein K.O. Kriterium…
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