Schlechtes Timing: Apple schickt seit Monaten Websitedaten und IP-Adressen nach China

Sicherheit - Server mit Kabeln - Symbolbild

Apple sendet Informationen über besuchte Websites in Safari auch an den chinesischen Onlinekonzern Tencent. Dies dient dem Schutz vor Phishing und Onlinebetrug, doch der Zeitpunkt, zu dem dieser Umstand nun Aufmerksamkeit erregt, kommt für Apple ungelegen.

Unternehmens-PR ist manchmal ein undankbarer Job. Derzeit dürfte man hier bei Apple einiges zu tun haben, um die öffentlichen Wogen zu glätten. Jüngst erst berichteten wir über Apples unglückliches Agieren bei der Löschung einer App aus dem Hongkonger App Store und die anschließende Reaktion von Tim Cook. Wenig später folgten dann Einblicke aus Hollywood, wonach Apple dem chinesischen Regime keinen Anlass geben wolle, das neue Apple TV+ in China vom Schirm zu nehmen und im Licht dieser für Apple nachteiligen Schlagzeilen folgt nun eine weitere Erkenntnis, die mit Argwohn aufgenommen werden könnte.

Cyber-Security - Symbolbild

Cyber-Security – Symbolbild

Diese besteht darin, dass Apple Informationen über besuchte Websites aus dem Safari-Verlauf auch nach China übermittelt: Dies geschieht im Rahmen der Betrugswarnung in Safari unter iOS. Das Feature ist prinzipiell eine gute Sache und soll verhindern, dass iOS-Nutzer von inzwischen teils erschreckend gut gemachten Phishing-Seiten reingelegt und möglicherweise abgezockt werden. Im Zuge der Betrugswarnung schickt Safari Informationen über die besuchten Seiten also an Google, aber auch an Tencent, ein chinesischer Onlinegigant, der sehr effektive Instrumente zur Echtzeit-Zensur von mehrheitlich in China genutzten Messengern entwickelt hat.

Unglücklich kommuniziert

Dieser Umstand wird von Apple auch durchaus nicht verheimlicht. In den Safari-Einstellungen heißt es unter „Safari und Datenschutz“:

Vor dem Öffnen einer Website sendet Safari möglicherweise Informationen zu dieser Website an Google Safe Browsing und Tencent Safe Browsing, um sicherzustellen, dass die Website legitim ist. Anbieter, die privates Surfen ermöglichen, können auch deine IP-Adresse protokollieren.

Hier liegt kaum eine politische Motivation vor, viel mehr dürfte es Apple wirklich um einen möglichst effektiven Betrugsschutz gegangen sein, eben letzterer Punkt ist aber nicht unkritisch. Laut Einschätzung von Branchenexperten können große Diensteanbieter mit einer genügend großen Datenbasis früher oder später auf die Identität von iOS-Nutzern schließen und das ist eine Vorstellung, die im Zusammenhang mit chinesischen Anbietern wohl wenigen gefällt. Apple hat diese Praxis bereits mit iOS 12.2 eingeführt. Nutzer können die Betrugswarnung ausschalten, wenn sie das für geboten halten. Apple lässt sich vorwerfen, auf die drohende Gefahr, dass die Betrugswarnung zu Rückschlüssen auf die eigene Person genutzt werden könnte, nicht deutlich genug hingewiesen zu haben.

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Roman van Genabith
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7 Kommentare zu dem Artikel "Schlechtes Timing: Apple schickt seit Monaten Websitedaten und IP-Adressen nach China"

  1. iPhoner 14. Oktober 2019 um 17:10 Uhr ·
    Das mit China wird noch unangenehm werden. Unabhängig davon dass unsere naive „Neuland“-Kanzlerin kein Problem mit Huawei beim 5G Aufbau sieht.
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    • gast22 14. Oktober 2019 um 18:38 Uhr ·
      Naiv sind die, die über keine Fakten verfügen und sich von der Mainstream-Presse verführen lassen. Es wird gute Gründe geben oder ist hier irgend jemand der Meinung, über mehr Hintergrundinformationen zu verfügen als die Bundesregierung. PS: iPhone kommt wohl aus dem „Altland“. Naja, die muss es ja auch geben…….
      iLike 4
    • iPhone 14. Oktober 2019 um 18:54 Uhr ·
      Zu mir ein Gefallen und erwähne bitte nicht mehr die Olle, ich kann mich von kotzen nicht mehr erholen…
      iLike 4
  2. iPhone 14. Oktober 2019 um 18:53 Uhr ·
    Schön…Hose runter, Beine breit, der Datenschutz ist Meilenweit…
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  3. Thorsten 14. Oktober 2019 um 21:05 Uhr ·
    Wenn die Meldung im September gekommen wäre, hätte ich mir dass mit dem Kauf des Xr noch einmal überlegt. Da kannst du ja auch gleich zu Google gehen.
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  4. Africanjoe 15. Oktober 2019 um 07:10 Uhr ·
    Wie immer interessant, wohin unsere Daten gehen. Wenn ich Phishing reduzieren will,warum soll mir da gerade Google oder Tencent helfen? Es ging bessere CyberSecurity Firmen die das schon seit Jahren praktizieren. Außerdem sollten alle mal kurz nachlesen warum Huawei so erfolgreich ist. Alle benutzen Cloudserver basieren auf Komponenten von Huawei Software, die in Cloudstacks verbaut sind.
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  5. Ichbins 16. Oktober 2019 um 19:30 Uhr ·
    Wer das nicht ausstellt ist selber Schuld! Gewiss, besser wärs das per default auf deaktiviert zu stellen. Sry – aber G00gle nach sicheren Seiten fragen?!? Wie blöd ist das denn?
    iLike 1

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