Erfolgs-Story „App“ zu Ende – willkommen Bots?

Zwei Faktoren bestimmten wesentlich den Erfolg des iPhones: Einerseits die Verwendung eines Touchscreens, der die meisten physischen Tasten ersetzt und je nach Anwendung andere Schaltflächen auf dem Display einblendet; und andererseits der App Store, welcher der breiten Bevölkerung die einfache Installation zusätzlicher Programme eröffnet – und damit neue Anwendungsmöglichkeiten.

Doch das Erfolgskonzept „App“ soll nun ausgedient haben und – je nachdem, wen man fragt – in naher Zukunft von Chat Bots, Sprachassistenten, Augmented Reality oder von neuen, noch unbekannten, Technologien abgelöst werden.

Das Ende der Apps?

Der erfahrene Journalist Peter Kafka mahnte vergangenen Monat auf recode beispielsweise, dass der App-Boom nun vorbei sei. Sein erstes Argument „der durchschnittliche amerikanische Smartphone-Nutzer lädt 0 Apps im Monat“, ist nachweislich falsch. Kafka bezieht sich auf einen Artikel von qz.com in dem die folgende Grafik auftaucht:

App-Downloads pro Monat (US)

In der Tat: knapp zwei Drittel der amerikanischen Smartphone-Nutzer laden in einem normalen Monat keine einzige App herunter – das ist zwar die absolute Mehrheit, aber nicht der Durchschnitt! Denn rund ein Viertel lädt zwischen einer und drei Apps pro Monat und etwa jeder zehnte sogar noch viel mehr! Im Durchschnitt kommt ein amerikanischer Smartphone-Nutzer demnach immerhin noch auf eine Quote von über 1,5 Apps pro Monat.

US-Downloads der beliebtesten AppsWeltweite Downloads der beliebtesten Apps
Außerdem betrachtete Kafka die Download-Zahlen der am häufigsten heruntergeladenen Apps und stellte in den USA einen Rückgang von durchschnittlich (dieses Mal wirklich) 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr fest. Außerhalb der USA beträgt der durchschnittliche Rückgang immerhin noch 3 Prozent. Nur wenige Ausnahmen wie Snapchat oder Uber, die Ihre Downloadzahlen insgesamt sogar mehr als verdoppeln konnten, verzeichneten einen Anstieg.

Wie ist das zu erklären?

Nunja, wer WhatsApp oder den Facebook Messenger 2015 bereits heruntergeladen hat, lädt ihn 2016 nicht noch einmal. Die Apps sind eben gerade deshalb unter den erfolgreichsten, weil sie bereits so stark verbreitet sind. 30 der 44 Millionen deutschen Smartphone-Nutzer haben beispielsweise WhatsApp installiert: Das ist ein Anteil von rund 68 Prozent. Eine Verdopplung ist hier schon rein rechnerisch nicht drin, solange zwischendurch nicht ein Großteil der Nutzer die App wieder deinstalliert. So sieht es jenseits der beliebtesten Apps auch viel besser aus, denn insgesamt wächst die Zahl der App-Downloads von Jahr zu Jahr.

Mobile App Downloads weltweit 2012-2017

Harte Zeiten für Entwickler?

Wie schwer ist es für Entwickler, Geld mit ihren Apps zu verdienen? Der App Store wächst seit seiner Eröffnung rasant an – schneller als die Zahl der aktiven Geräte. So nimmt der Konkurrenzdruck unter den Entwicklern stetig zu. Die goldenen Jahre sind sicherlich vorbei. Mit der tausendsten Taschenlampen-App lässt sich schon lange kein Geld mehr verdienen. Und so kommen zahlreiche Entwickler, wie Pixite finanziell ins Straucheln oder beschweren sich, dass es für kleine Entwickler schwierig ist, aus der enormen Masse an Apps herauszustechen.

Monatlich veröffentlichte Apps

Doch wenn wir ehrlich sind, ist es ein generelles Problem in allen Branchen, als kleiner Entwickler genug Aufmerksamkeit und damit den notwendigen Absatz zu erzielen, der für eine rentable Produktion notwendig ist. Das gilt für Apps genauso wie für Websites, deren Betreiber sich ja auch nicht bei Google beschweren. Und es lässt sich auf sämtliche Produkte aus allen Branchen übertragen.

Wer erfolgreich werden will, muss sich was einfallen lassen. Neue Konzepte wie Uber, Snapchat oder Pokemon Go haben bewiesen, dass das auch heute noch möglich ist. Mit einem Wachstum von 10 Prozent im Geschäftsjahr 2015 ist der Service-Sektor, zu dem auch der App Store zählt, nach dem iPhone und sonstigen Geräten, Apples am drittschnellsten wachsende Sparte und außerdem die zweitgrößte Sparte.

Übernehmen bald die Chat-Bots?

Beerud Sheth, sieht die Tage der Apps ebenfalls als gezählt. Er schrieb auf TechCrunch: „Da die Zahl der mobilen Apps steigt, während die Bildschirmgröße sinkt, erreichen wir die Grenzen des ‚Mobile OS + App‘-Paradigmas. […] Es wird zunehmend schwieriger, Apps herunterzuladen, einzustellen, zu verwalten und zwischen ihnen zu wechseln.“ Sein Resultat lautet daher: „Vergesst Apps, jetzt übernehmen die Bots!“ Die Grafik, die seinen Artikel begleitet unterstützt seine Aussage, indem sie das mobilen Betriebssystem degradieren und Messenger und Bots in den Fokus rückt, die immer mehr Aufgaben übernehmen. Aber was soll man, als Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des Chat- und Chatbot-Anbieters Teamchat auch anderes sagen?

Messenger und Bots statt Apps?

Tatsächlich finden sich unter den beliebtesten Apps viele Messenger, doch entgegen Sheths Aussage ist es mit jedem iOS-Update einfacher geworden, neue Apps herunterzuladen und zwischen ihnen hin- und herzuwechseln. Nicht ganz uneigennützig: Schließlich verdient Apple an der Nutzung und an jeder verkauften App mit. Messenger sind letztlich auch nur Apps, die auf dieses System aufsetzen – selbst wenn innerhalb des Messengers app-ähnliche Erweiterungen wie Bots, Sticker oder weitere Dienste angeboten werden oder die Steuerung per Sprache möglich ist.

Apple und die Apps

Im Gegensatz zu anderen Anbietern, die ihre Dienste auf Spekulationen aufbauen müssen, weiß Apple als Plattformbetreiber genau, wie die Kunden auf internationaler Ebene mit iOS interagieren. So erfreuen sich Zusatzdienste in Messengern, die z.B. ein Taxi buchen oder ein Produkt bestellen können, in Asien bereits großer Beliebtheit. Mit den Neuerungen im hauseigene Messenger-Dienst iMessage, die auf der diesjährigen WWDC präsentiert wurden, zeigt Apple, dass man diesen Trend nicht verschlafen hat. Sowohl iMessage, als auch Siri wurden für Drittanbieter geöffnet und können daher in Zukunft noch viel mehr Funktionen übernehmen und uns damit den Alltag erleichtern.

IMessage Apps

Apps halten zudem Einzug in immer mehr Apple-Geräte: vom iPhone über den Mac, das iPad und die Apple Watch bis hin zum Apple TV der 4. Generation, sieht man die bunten Icons inzwischen überall – ein wachsender Markt also. Ein Markt, mit nur einem sicheren Marktplatz.

Und was macht die Konkurrenz?

Google verdient sein Geld auf Android mit Werbung. Sie kann helfen, Apps zu finanzieren, aber die Apps spielen eher eine untergeordnete Rolle, wie man auf jedem Android-Screenshot sehen kann: Über allem thront prominent die Suchleiste. Drittanbieter-Apps genießen keine derartige Prominenz, wie es auf iOS der Fall ist. Kein Wunder, wird Googles Kernkompetenz – die Suche – in einer Welt nativer Apps doch immer irrelevanter.

Android Homescreen

Und auch bei Microsoft steht eher das eigene Betriebssystem im Vordergrund. Apps erhalten keinen prominenten Werbeplatz, sondern verstecken sich hinter animierten Kacheln in uniformer Einheitsfarbe.

Windows Phone Homescreen

Also was nun?

Zum einen sind Bots selbst auch nur besondere Anwendungen, die zum Teil in andere Apps integriert werden und zum anderen setzen viele Bots auf die Integration mit Apps. Im Kampf Bots gegen Apps gewinnen die Apps. Apple hat das schon vor Jahren verstanden und eine Plattform geschaffen, für die Entwickler gern programmieren und die den Nutzern ein sicheres, stabiles und einfach zu bedienendes Umfeld bietet.

(via Apple Insider)

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Marcel Gust
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13 Kommentare zu dem Artikel "Erfolgs-Story „App“ zu Ende – willkommen Bots?"

  1. Heinz 11. Juli 2016 um 18:14 Uhr ·
    Falsch, 2007 gab es noch keinen AppStore, Steve Jobs setzte auf WebApps, müsste dann aber der starken Nachgrage nach nativen Apps nachgeben und schuf den AppStore. Aber nicht 2007!
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    • Markus 11. Juli 2016 um 18:31 Uhr ·
      Es geht um apps nicht um den store
      iLike 13
    • Heinz 12. Juli 2016 um 08:30 Uhr ·
      Der Artikel wurde anscheinend überarbeitet. Nun steht da nichts mehr von Apps auf die Apple seit 2007 mit Einführung des ersten AppStores setzte. Gut so.
      iLike 0
  2. Heinz 11. Juli 2016 um 18:17 Uhr ·
    Und Apple hat doch gepennt. Dadurch das sie nur auf einer verschwindend kleinen Zahl, gemessen am Gesamten Markt, mit iMessage vertreten sind, ist auch die Teicjweite der Bots und vielleicht auch die Auswahl, begrenzt.
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    • Steffen 12. Juli 2016 um 09:08 Uhr ·
      Das nicht war auch wenn es nach den Neuverkäufen so scheinen mag. Es gibt aktuell über 1 Milliarde aktive Apple-Geräte und 1,5 Milliarden aktive Androiden. Liegt einfach daran, dass viele Androiden bereits nach einem Jahr weggeschmissen werden. Sprich: das Potential für iMessage ist etwa 40% aller aktiven Smartphones. Genauso sieht es mit dem App Store aus.
      iLike 0
  3. Pddy 11. Juli 2016 um 18:32 Uhr ·
    Wie soll denn bitte Gaming per Chatbot funktionieren? Oder eine Musik App? Ich möchte doch nicht jedes Mal in iMessage gehen, nur um Musik zu hören?!?
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    • Pddy 11. Juli 2016 um 19:07 Uhr ·
      Oder halt immer Siri fragen, die versteht auch nicht immer alles. Und ich möchte vielleicht auch mal schauen was ich so an Musik habe bzw was es gerade so bei Music gibt… Und da ist so eine App doch besser, wie ich finde
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    • . 11. Juli 2016 um 19:20 Uhr ·
      Diese Grafik ist totaler Unsinn
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  4. Lukas 11. Juli 2016 um 18:36 Uhr ·
    Schöner Bericht. Fasst wichtige Standpunkte richtig zusammen. Bin jedoch generell der Meinung, dass es in Zukunft eindeutig weg von Apps und hin zu Bots geht. Es gibt alleine schon 11.000 Facebook Bots. Wie auch im Text erwähnt, gewinnen aktuell natürlich noch die Apps jedoch geht es in Zukunft wirklich darum, nur noch einen „Ansprechpartner“ wie Siri zu haben, der/die alles für einen übernimmt. Spannend könnte hier eine Plattform sein, die für solche Bot-Hersteller (Siri, Viv,…) Dienste im Hintergrund vergleicht. Just my 50cents… :)
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    • . 11. Juli 2016 um 19:21 Uhr ·
      Ich finde Siri jetzt nicht so wichtig. Nutze sie im alltag eigentlich nie, nur manchmal wenn mir langweilig ist zum Spaß
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      • Steffen 12. Juli 2016 um 09:15 Uhr ·
        Und mir macht Siri den Alltag sehr viel leichter – vor allem im Auto. Da kann man ganze iMessage-/SMS-Konversationen „schreiben“ ohne sich und andere zu gefährden. Außerdem geht bei den Erinnerungen sehr viel mehr als mit tippen: „Erinnere mich an diese E-Mail…“, „Erinnere mich, wenn ich da und da bin.“, „Erinnere mich, wenn ich ins Auto steige…“ Darüber hinaus: schnell mal einen Wecker oder Timer stellen oder verändern. Oder eben diktieren – ich tippe eigentlich nie mehr. Und, und , und…
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  5. Kicki Le Puf 11. Juli 2016 um 18:56 Uhr ·
    Was für ein Quatsch ist das denn? App und chatbot hat doch nix miteinander zu tun??
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  6. Peter Birnenkuchen 11. Juli 2016 um 22:13 Uhr ·
    Radio, TV, Auto, Kühlschrank, CD, Player, Computer, Wearables … alles hatte einen Boom und wurde irgendwann als selbstverständlich genommen. Das wird auch mit dem Smartphone eines Tage so sein. Es wird zwar immer Teil der Menschheit bleiben, aber der Boom selbst ist irgendwann vorbei. Wie lange kann man sich an so einem Ding aufgeilen? Die Menschheit braucht was Neues und vor allem Nützliches.
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