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1. Juli 2026

Toni Ebert

Nervenkitzel am Handgelenk: Was die Apple Watch beim Live Sport misst

Die neuesten Generationen der Apple Watch sind geradezu zu kleinen sportmedizinischen Begleitern im Alltag geworden. Tagsüber zählen sie unsere Schritte, nachts tracken sie unseren Schlaf und bei stärkerer körperlicher Belastung werden alle möglichen Werte zu unserer Leistung und körperlichen Verfassung erhoben. Doch nicht nur körperliche Ertüchtigung kann die Apple Watch aktivieren.

Auch emotionale Reaktionen können messbare körperliche Veränderungen auslösen. Starke Emotionen können unsere Herzfrequenz erhöhen oder unser Herz gar kurz stolpern lassen. Das kann sogar passieren, wenn wir zum Beispiel mit unserer vollen Aufmerksamkeit ein Live-Sport-Event verfolgen. Auch wenn die Watch dann kurz Alarm schlägt, gibt es keinen Grund zur Sorge.

Was im Körper passiert, wenn wir “mitfiebern”

Das Wort mitfiebern ist in sich selbst höchst interessant. Es enthält das Wort Fieber, also eine starke Reaktion des Körpers auf äußere Einflüsse , der den normalen Betrieb, die sogenannte Homöostase, kurzzeitig aus dem Gleichgewicht bringt. So weit, so medizinisch. Bis zu einem gewissen Grad, wortwörtlich, ist Fieber medizinisch gesehen etwas Positives.

Mitfiebern impliziert quasi, dass sich ein Fieber verbreitet und andere ansteckt, bzw. im übertragenen Sinne mit in den Bann zieht. Sportevents sind hierfür das wohl beste und am weitesten verbreitete Beispiel. Wenn unsere Mannschaft auf dem Platz steht, dann fiebern wir mit.

Nicht nur allein vor dem Bildschirm, sondern auch als ganze Fangemeinschaft beim Public Viewing oder direkt live vor Ort im Stadion. Wir sind also emotional stark am Spiel beteiligt, als hinge vom Ausgang der Partie geradezu etwas Lebensveränderndes ab.

Aufstieg, Abstieg oder Klassenerhalt entscheiden darüber, welche intensiven Emotionen wir zumindest zeitweise erleben. Wenn dann im Hintergrund noch Sportwetten mitlaufen, wächst die Hoffnung auf den gewünschten oder vorhergesagten Ausgang umso mehr.

Während wir bei einem Spiel mitfiebern, steht der Körper praktisch unter Dauerspannung. Aus physiologischer Sicht handelt es sich dabei um eine Stressreaktion. Dadurch können verschiedene körperliche Prozesse in Gang gesetzt werden, beispielsweise die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol oder Adrenalin.

Das Hormon Adrenalin wirkt direkt auf das Herz und sorgt dafür, dass der Herzschlag schneller und kräftiger wird. Dadurch kann der Körper innerhalb kürzester Zeit mehr Sauerstoff und Energie bereitstellen, ursprünglich als Vorbereitung auf Flucht oder Kampf. Dieses Prinzip wird in der Biologie als „Fight or Flight“-Reaktion bezeichnet.

Nun wollen wir bei einem laufenden Spiel natürlich weder flüchten noch dem Gegner direkt eins auf die Nase hauen, doch der Körper reagiert instinktiv dennoch mit diesen biologischen Prozessen. Wird dabei die Apple Watch getragen, misst sie genau diese Reaktionen.

Übrigens, eine dauerhafte und extreme psychische Belastung kann sehr gravierende Auswirkungen auf die Herzgesundheit haben. Es gibt sogar das Phänomen, dass Menschen an vermeintlich „gebrochenem Herzen” sterben. Dabei spricht man vom sogenannten Broken-Heart-Syndrom.

Zwischen Watch und Handgelenk: So funktionieren die Messungen

Wer eine Apple Watch oder eine andere Smartwatch am Handgelenk trägt, sieht an der Unterseite manchmal grüne Lichter flackern. Teilweise leuchten diese auch gleichmäßig und teilweise sind sie aus. Das kann im ersten Moment irritieren, ist aber tatsächlich der für uns sichtbare Teil der Pulsmessung.

Technisch betrachtet passiert zwischen der Unterseite der Apple Watch und dem Handgelenk erstaunlich viel. Auf der Rückseite der Uhr sitzen mehrere kleine LEDs und lichtempfindliche Sensoren. Die LEDs senden grünes Licht in die Haut und die Sensoren messen direkt im Anschluss, wie viel davon zurückgeworfen wird. Aus dem Verhältnis berechnet die Uhr dann den Puls.

Das funktioniert so gut, weil Blut Licht anders absorbiert als das umliegende Gewebe. Mit jedem Herzschlag verändert sich die Lichtmenge daher minimal und die Uhr erkennt diese rhythmischen Veränderungen und errechnet daraus die Herzfrequenz.

Wer beim Arzt den Puls messen lässt, hält den Körper in dem Moment still. Die Watch hingegen misst auch, wenn wir in Bewegung sind. Um Messfehler zu vermeiden, registriert unsere Uhr also durch zusätzliche Sensoren unsere Bewegungen.

Dazu zählen Beschleunigungssensoren und sogenannte Gyroskope, die nichts mit griechischem Essen, sondern mit der räumlichen Ausrichtung von Geräten zu tun haben. Wenn das Handgelenk stark rotiert, die Muskeln arbeiten oder die Uhr verrutscht, registriert die Uhr dies sofort und berücksichtigt dies bei der Auswertung des Lichtsignals.

Sitzt die Uhr hingegen eng am Handgelenk und bewegt man sich relativ gleichmäßig, sind die Werte in der Regel sehr präzise. Vor allem im Ruhezustand oder bei konstantem Training wie Joggen oder Radfahren liegen moderne Smartwatches inzwischen relativ nah an medizinischem Equipment.

Natürlich kann die Apple Watch keine medizinische Echtzeitüberwachung übernehmen und keinen Arzt ersetzen. Die gemessenen Werte dienen in erster Linie zur Orientierung und können Hinweise auf körperliche Veränderungen liefern, sind aber kein Ersatz für professionelle medizinische Untersuchungen.

Wenn es aber nur darum geht, die erlebte Emotionen in Zahlen oder Grafen zu beobachten, kann die Watch ein sehr spannendes Tool sein.

Wo die Apple Watch an ihre Grenzen stößt

Es gibt weitere Faktoren, die dafür sorgen können, dass die Uhr an ihre Grenzen stößt. Neben dem Verrutschen der Uhr oder anderen Bewegungen können beispielsweise starke Körperbehaarung oder auch Tätowierungen am Handgelenk die optische Pulsmessung erschweren.

Vor allem dunkle oder stark pigmentierte Tattoos absorbieren das ausgesendete Licht oft anders als „normale” Haut. Dadurch kann das reflektierte Signal schwächer oder ungenauer werden.

Sogar das Wetter kann eine Rolle spielen. Bei niedrigen Temperaturen ziehen sich nämlich die Blutgefäße zusammen, wodurch die Uhr Veränderungen im Blutfluss schwerer erkennen kann. In solchen Situationen kann es passieren, dass Messungen verzögert stattfinden oder einzelne Werte stärker schwanken als üblich.

Was passiert eigentlich mit den Daten?

Die Apple Watch misst natürlich nicht nur, um danach alles wieder zu vergessen. Die Werte landen in der Health-App auf dem iPhone, wo man sie sich dann übersichtlich aufgeschlüsselt anschauen kann. Aus den vielen einzelnen Messpunkten entstehen dann Grafen und Verläufe zu Puls, Schlaf, Aktivität oder Herzrhythmus und Atemfrequenz.

Daraus ergibt sich irgendwann ein ziemlich individuelles Gesamtbild des eigenen Körpers, das man nicht unbedingt mit der Welt oder dem Unternehmen Apple teilen möchte. Datenschutz ist daher äußerst relevant für Träger von Smartwatches.

Apple verschlüsselt diese Daten nach eigenen Angaben direkt auf dem Gerät und bei jeder Übertragung. Trotzdem können auch andere Apps Zugriff auf bestimmte Werte anfragen. Man muss also selbst abwehren, mit welchen anderen Apps man welche Daten teilt.

Eine Fitness-App, eine Schlaf-App oder eine Ernährungs-App kann nämlich nur dann Gesundheitsdaten nutzen, wenn man diesen den Zugriff erlaubt. Die Uhr selbst sammelt also die Daten über den Körper, aber wer sie letzten Endes verwenden darf, sollte man nicht dem Zufall überlassen.