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Eye-Tracking verrät Drogen, Krankheiten, Schlaganfall, Lügen und Stress (Die Kolumne)

„Ich schaue dir in die Augen, Kleines“ – sagt die Apple Vision Pro. Lassen wir beiseite, dass der berühmte Satz im Filmklassiker Casablanca im Original („Here´s looking at you, kid!“) mehr Respekt gegenüber einem Kumpel, wahlweise Kumpelin, ausdrückt und die deutsche Synchronfassung 1975 bereits einmal verändert wurde von „Schau mir in die Augen, Kleines!“ (Original) nach „Ich seh dir in die Augen, Kleines“, denn Apple schaut uns mit der Vision Pro wirklich in die Augen. Und das in einer bislang ungeahnten Qualität, verbunden mit einer gigantischen Rechenpower zur Analyse der Augenbewegungen. Jüngst hat Apple einen langen Datenschutz-Bericht veröffentlicht, wie die Daten auf der Brille ausgewertet werden. Aber was kann man denn sonst noch so alles an den Augen erkennen, die mit Sensoren ständig beobachtet werden? Schauen wir uns das mal genauer an! (Aber Achtung! Die Augen geben Hinweise, keine absoluten Beweise und eine Krankheit oder Störung würde nie ausschließlich darüber diagnostiziert werden.)

Schlaganfall?

Blickbewegungen (in schlau „Sakkaden“): Eye-Tracking kann die Geschwindigkeit und Genauigkeit der Blickbewegungen messen, um die Funktion des Muskel- und Nervensystems im Auge zu beurteilen. Was sieht man dann? Störungen wie Schielen, Nervenstörungen und Autoimmunerkrankungen (wie „Myasthenia gravis“) oder – über eine eingeschränkte Fähigkeit die Augen in eine bestimmte Richtung zu bewegen – auch Hinweise auf einen Schlaganfall, Hirntumor oder Multiple Sklerose. Ich warte auf die erste Versicherung, die Zugriff auf die Daten haben möchte.

Neurologische Störungen?

Die Fähigkeit, den Blick stabil auf einem Objekt zu halten, kann Hinweise auf neurologische oder visuelle Störungen geben. Die Reaktion der Pupille auf Licht und ihre Veränderung bei Fokussierung kann Aufschluss über den Zustand des autonomen Nervensystems und die Augengesundheit geben. Die Fähigkeit der Augen, sich auf nah oder fern gelegene Objekte einzustellen, kann Störungen in der Augenmuskulatur aufzeigen (Experten sprechen von „Vergenzbewegungen“). Ein Datenparadies für die Gesundheitsindustrie.

ADHS?

Doch damit nicht genug. Das Eye-Tracking kann über die Dauer ausgewertet werden, im Sinne einer Blickspur bzw. des Eye-Tracking-Pfads. Der Verlauf, den der Blick über ein Bild nimmt, kann für die Diagnose von Aufmerksamkeitsstörungen nützlich sein. Apple weiß dann schon mal über ADHS Bescheid. Wie oft ich blinzele, genauer, wie oft ich nicht normal blinzele, kann auf Augentrockenheit, Müdigkeit oder neurologische Probleme hindeuten. Versuchen Sie mal ihre Blinzelrate bewusst zu steuern! Stellen wir uns kurz vor, ein Arbeitgeber wüsste darüber Bescheid.

Gleichgewichtsstörungen?

Die Verteilung der Blickfokussierung, aka visuelle Aufmerksamkeit, kann, wie oben der Pfad, Einblick in kognitive Prozesse und mögliche Aufmerksamkeitsdefizite geben. Haben Sie Gleichgewichtsstörungen? Ihre Augen verraten Sie: Unwillkürliche Augenbewegungen (verzeihen Sie mir den Ausflug in die Medizin: „Nystagmus“) können wichtige Hinweise auf Gleichgewichtsstörungen oder neurologische Erkrankungen liefern. Höre ich den Wunsch von Krankenkassen ihre Kunden besser zu kennen?

Lese-Rechtschreib-Störung?

Haben Sie eine Lese-Rechtschreib-Störung (nicht verwechseln mit der -Schwäche; Experten sprechen von Dyslexie)… auch hier verraten ihre Augen Sie anhand der Auswertung von Lesemustern! Hier können übrigens auch Sehstörungen erkannt werden.

Cannabiskonsum?

Ein Letztes noch: Cannabis-Legalisierung hin oder her. Apple weiß, ob sie saufen oder kiffen, ob sie müde sind, psychischen Stress haben, ob sie wütend oder ängstlich sind. Wie? Durch erweiterte oder verengte Pupillen, durch gerötete Augen, durch eine veränderte Blinzelrate, trockene Augen oder auch eine verlangsamte Pupillenreaktion. Hoffen wir, dass Tim Cook uns zwar mitleidig ansieht, aber diese Informationen nicht weitergibt.

Lügen?

Ein Allerletztes noch, das aber wissenschaftlich nicht unumstritten ist. An den Augen soll man sehen, ob Sie lügen. Das ist, wenn sie dem Blickkontakt ausweichen. Sollte das stimmen, warte ich auf das Auswertungs-Tool für die Videokonferenz!

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Marco Fileccia
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1 Kommentar zu dem Artikel "Eye-Tracking verrät Drogen, Krankheiten, Schlaganfall, Lügen und Stress (Die Kolumne)"

  1. Gast1 23. Februar 2024 um 12:09 Uhr ·
    Als ich vor ein paar Tagen gelesen habe das einige die Vision Pro zurückgegeben haben weil ihnen schwindlig wurde oder schlecht , dachte ich gleich bei der Überschrift an mögliche Früherkennung selbiger Stoffe. Sollte man lassen wenn man eine 3D- Brille aufsetzt.
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