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macOS 26 Tahoe

9. Januar 2026

Patrick Bergmann

Designkritik an macOS 26 Tahoe – ausgerechnet Apple liefert Munition

Die anhaltende Kritik an macOS 26 Tahoe entzündet sich nicht zuletzt an der Benutzeroberfläche. Besonders brisant ist dabei, dass Apple selbst mit seinen historischen Designgrundlagen Argumente liefert. Die Human Interface Guidelines (HIG) aus dem Jahr 1992 mögen aus heutiger Sicht alt wirken, formulierten jedoch grundlegende Prinzipien für gute UI-Gestaltung: Klarheit, Konsistenz, visuelle Hierarchien und verständliche Metaphern.

macOS Tahoe im Widerspruch zu Apples eigenen Guidelines

Mit macOS Tahoe entfernt sich Apple zunehmend von diesen Grundsätzen. Nach Howard Oakley geht nun der UI-Designer Niki Tonsky  noch weiter und vergleicht Tahoe direkt mit den Negativbeispielen der ursprünglichen HIG. Ironischerweise zeigen die damaligen Richtlinien explizit, wie Menüs nicht gestaltet werden sollten – etwa durch eine Überladung mit Symbolen. Genau dieses Muster findet sich nun in Tahoe wieder. Apple versieht nahezu jeden Menüeintrag mit einem Icon, was jedoch nicht zu besserer Orientierung führt. Im Gegenteil: Wenn alle Symbole gleichförmig und einfarbig sind, geht jede visuelle Gewichtung verloren. Wichtige Aktionen heben sich nicht mehr ab, Prioritäten verschwimmen.

Inkonsistenz statt Systematik

Noch gravierender ist die mangelnde Konsistenz. Einheitliche, systemweite Regeln für Symbolik scheinen kaum noch zu existieren. Identische Icons stehen je nach App – oder sogar innerhalb derselben App – für unterschiedliche Funktionen. Ein Stift kann „Neuer Eintrag“, „Bearbeiten“ oder „Umbenennen“ bedeuten, Plus-Symbole variieren in Bedeutung und Darstellung, grundlegende Aktionen wie „Öffnen“ oder „Speichern“ konkurrieren mit mehreren Symbolvarianten. Ein Zustand, den Apple früher selbst als schwerwiegenden Designfehler definierte.

Zu klein, zu komplex, schwer erfassbar

Hinzu kommt die Darstellung: Viele Icons sind extrem klein und detailreich gestaltet. Selbst dort, wo Unterschiede existieren, sind sie praktisch kaum wahrnehmbar. Damit verstößt Apple gleich mehrfach gegen eigene Empfehlungen – etwa gegen die Nutzung klarer Metaphern und ausreichender visueller Differenzierung. In Summe zeigt macOS Tahoe eine Bündelung genau jener UI-Fehler, vor denen Apples Human Interface Guidelines einst warnten. Der Anspruch, jedem Menüpunkt ein Icon zuzuweisen, erweist sich nicht nur als fragwürdig, sondern auch als handwerklich schlecht umgesetzt. Die alten Guidelines dienen damit heute weniger als historisches Dokument – sondern als analytischer Maßstab für das, was in Tahoe schiefläuft.

2 Gedanken zu „Designkritik an macOS 26 Tahoe – ausgerechnet Apple liefert Munition“

  1. Das Problem ist der häufige Personalwechsel bei Apple. Jemand der neu kommt, möchte auch alles neu machen und denkt neue Besen kehren gut aber er kennt nicht die alten Richtlinien und das wunderbare Gefühl mit einem klar strukturierten bzw. geschmeidig guten MacOS zu arbeiten. Schade – ich hoffe, Apple findet zu seinen alten Werten zurück! Die können ja modern angepasst sein aber es sollte funktionieren!
  2. Federeghi, der Software Chef, ist aber schon seit Ewigkeiten im Konzern und hat das Design durchgewunken. Das Argument ist also etwas schwach, auch wenn ich ebenso der Meinung bin, dass Apple seit geraumer Zeit erstaunlich große Probleme hat, kompetente Leute längerfristig zu halten.

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