Die anhaltende Kritik an macOS 26 Tahoe entzündet sich nicht zuletzt an der Benutzeroberfläche. Besonders brisant ist dabei, dass Apple selbst mit seinen historischen Designgrundlagen Argumente liefert. Die Human Interface Guidelines (HIG) aus dem Jahr 1992 mögen aus heutiger Sicht alt wirken, formulierten jedoch grundlegende Prinzipien für gute UI-Gestaltung: Klarheit, Konsistenz, visuelle Hierarchien und verständliche Metaphern.
macOS Tahoe im Widerspruch zu Apples eigenen Guidelines
Mit macOS Tahoe entfernt sich Apple zunehmend von diesen Grundsätzen. Nach Howard Oakley geht nun der UI-Designer Niki Tonsky noch weiter und vergleicht Tahoe direkt mit den Negativbeispielen der ursprünglichen HIG. Ironischerweise zeigen die damaligen Richtlinien explizit, wie Menüs nicht gestaltet werden sollten – etwa durch eine Überladung mit Symbolen. Genau dieses Muster findet sich nun in Tahoe wieder. Apple versieht nahezu jeden Menüeintrag mit einem Icon, was jedoch nicht zu besserer Orientierung führt. Im Gegenteil: Wenn alle Symbole gleichförmig und einfarbig sind, geht jede visuelle Gewichtung verloren. Wichtige Aktionen heben sich nicht mehr ab, Prioritäten verschwimmen.
Inkonsistenz statt Systematik
Noch gravierender ist die mangelnde Konsistenz. Einheitliche, systemweite Regeln für Symbolik scheinen kaum noch zu existieren. Identische Icons stehen je nach App – oder sogar innerhalb derselben App – für unterschiedliche Funktionen. Ein Stift kann „Neuer Eintrag“, „Bearbeiten“ oder „Umbenennen“ bedeuten, Plus-Symbole variieren in Bedeutung und Darstellung, grundlegende Aktionen wie „Öffnen“ oder „Speichern“ konkurrieren mit mehreren Symbolvarianten. Ein Zustand, den Apple früher selbst als schwerwiegenden Designfehler definierte.
Zu klein, zu komplex, schwer erfassbar
Hinzu kommt die Darstellung: Viele Icons sind extrem klein und detailreich gestaltet. Selbst dort, wo Unterschiede existieren, sind sie praktisch kaum wahrnehmbar. Damit verstößt Apple gleich mehrfach gegen eigene Empfehlungen – etwa gegen die Nutzung klarer Metaphern und ausreichender visueller Differenzierung. In Summe zeigt macOS Tahoe eine Bündelung genau jener UI-Fehler, vor denen Apples Human Interface Guidelines einst warnten. Der Anspruch, jedem Menüpunkt ein Icon zuzuweisen, erweist sich nicht nur als fragwürdig, sondern auch als handwerklich schlecht umgesetzt. Die alten Guidelines dienen damit heute weniger als historisches Dokument – sondern als analytischer Maßstab für das, was in Tahoe schiefläuft.



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