Kommentar: Ich war auf der diesjährigen IFA unterwegs und habe mir die TV-Geräte-Hersteller einmal genauer betrachtet. Nach der IFA-2013 war ich dieses Jahr sehr gespannt zu sehen, was die Hersteller mit ihren pixelüberladenen Bildschirmen in 12 Monaten fabriziert haben. Denn die UHD-Geschichte steckt allgemein noch sehr in den Kinderschuhen, aus denen sie langsam rauswachsen muss/sollte. Denn wer weiß, ob in iTunes nicht bald schon UHD-Material liegt, welches über das Apple TV der 4. Generation gestreamt werden möchte.
Unter den Herstellern, die ich besuchte, sind alle enthalten, welche man namentlich kennen sollte. So besuchte ich Samsung, LG, Sony, Panasonic, Philips, Hisense und Toshiba. Jeder macht so sein Ding für sich und zeitgleich jeder natürlich anders als die Konkurrenz. Hier ist teils das erste Problem erkennbar, denn eine gemeinsame Wellenlänge lässt sich darunter weniger erkennen. Auch Metz, Grundig und Haier standen auf meiner Liste – leider wurde daraus ein sehr kurzer Besuch, denn eine wirkliche Auskunft über die ausgestellten Produkte wollte man mir nicht geben. Teilweise haperte es aber an der Sprachverständigung, denn Deutsch sprachen viele nicht und im unsauberen Englisch verstand man kaum etwas – mehr wie zwei Sprachen spreche ich nun mal nicht. Man verwies mich daher mehrmals auf die Herstellerseite, auf der ich alles Neue direkt erfahren würde. Also ist die IFA doch mehr Show als Verkaufsstrategie?
Philips
Meine kleine Reise (4km-Fußmarsch) begann ich bei Philips. Die Holländer priesen mir direkt ihre neuen UHD-Geräte an, die dank Ambilight perfekt in Szene gesetzt werden. Die Hintergrundbeleuchtung des Gerätes ändert sich je nach Bildinhalt und lässt ihn optisch wachsen. So bilden Farbverläufe einen schönes Umfeld für einen Filmabend. Schön und gut, aber das kannte ich schon. Mir ging es um die Ausstattung der Geräte und die war leider weniger atmosphärenschmückend. Die Geräte können theoretisch UHD-Videoinhalte wiedergeben – gezeigt werden aber nur 4K-Bilder. Verständlich, denn einen HEVC-Decoder besitzen die Geräte nicht. Eine Box zu Decodierung soll laut dem Aussteller im 1. Quartal 2015 erscheinen und ca. 250€ kosten. Die Decoderbox wird extern an das TV-Gerät angeschlossen und ermöglicht das Decodieren von H.265-Inhalten. HCDP 2.2 sei nur auf dem HMDI-Port-1 anzutreffen, ob dieser aber HDMI 2.0 ermöglicht, konnte man mir nicht beantworten. Schlimmer wurde es bei der genaueren Betrachtung des OS, denn Philips setzt hier komplett auf Android 4.2.2 (Jelly Bean) – das war für mich ansich schon Abschreckung genug, so dass mich die Bildwiederholungsraten von 1000Hz weniger interessierten. Das Gesamtpaket war für mich eher eine müde Nummer.
LG
Weiter ging es zu LG – welcher neben Smartphones und Smartwatches auch seine UHD-TV-Geräte in den Vordergrund rückte. Mit ultrahochauflösenden Bildern wollte man mir alles schmackhaft machen und die Vorteile der neuen Bildschirme präsentieren. Alles wirkte scharf und farbtreu – das stimmte auch – tat es aber letztes Jahr ja auch schon. Man verwies mich immer auf die vielen Anschlussmöglichkeiten, doch bei den Fragen nach HDMI 2.0 und HDCP 2.2 konnte man mir nicht weiterhelfen. Stattdessen zeigte man mir, dass das Gerät ja ein Wi-Fi-Modul verbaut hätte – was mich sehr zum Schmunzeln anregte. webOS sei der neue Softwarestandard der hauseigenen TV-Geräte und würde damit das Bedienerlebnis enorm verbessern und erleichtern. Auf die Frage, ob die Dame denn wisse, dass webOS einst Palm und HP entwickelten, zuckte sie nur und erwähnte einen HP-Drucker zu besitzen. Hintergrundwissen fehlte bei der Beratung etwas – wieso also ein Gerät kaufen, von dem man nichts weiß und nichts genaues erzählt bekommt?
Panasonic
Mit großen Schritten ging es zu Panasonic, der vor allem seine OLED-Reihe stark im Vordergrund präsentierte und atemberaubende Bewegungsbilder zeigte. Anschlussmöglichkeiten wurden mir genauestens gezeigt. Daneben fielen auch immer wieder die Wörter „4K“ und „Ultra-High-Definition“. Auch die „2000Hz-Bildwiederholungsrate“ kam mehrmals bei mir an. Bei der Frage nach den Spezifikationen des HDMI-Anschlusses und der Decodiervorgänge von abspielbarem UHD-Material, musste der gute Mann erst seinen Kollegen fragen – der auch nicht viel mehr wusste. Ich selbst entdeckte dann aber einen kleinen, feinen Schriftzug auf einer Tafel der verlauten ließ, dass HDCP 2.2 anwesend sei und 4K mit 50/60fps am ersten HDMI-Port der Geräteunterseite möglich sind.
Toshiba
„Smarter Fernsehen auf höchstem Niveau“ – so wurden mir die neuen Geräte angepriesen. Nach einer kurzen und knappen Nachfrage von Anschlussmöglichkeiten für die Zukunft, zuckte man schnell zusammen und suchte Hilfe bei einem Kollegen. Eine 3D-Brille sollte mir dann zeigen, wie toll das Gerät diesen Effekt produzieren kann. Auf meine Fragen bekam ich keine Antwort, sondern immer nur Gegenfragen/Gegenargumente. Ich weiß nun, dass die neuen UHD-Geräte des Herstellers groß sind, dank einer enormen Auflösung ein erstklassiges Bild abliefern, einen bestechenden Sound bieten und ein modisches Design haben. Über die technische Ausstattung wusste leider keiner direkt etwas, auch Preise wurden nicht bekanntgeben. Man verwies mich auf die Internetseite des Herstellers – dort würde ich alle Informationen erhalten. Interessantes Konzept für eine Messeausstellung.
Sony
Irgendwie hatte ich schon wieder genug von der Thematik, aber machte mich trotzdem weiter und auf diesem Wege direkt zu Sony. Großes Thema war hier ganz klar die PlayStation, Smartphones und Smartwatches, Aufsteckobjektive für Smartphones und daneben geschwungene UHD-Bildschirme. Die Bildschirme waren die erste Wahl und ein Berater half mir gerne weiter. Zum Erstaunen konnte er auch genauere Auskunft geben und verwies darauf, dass UHD-Material maximal mit 30 Bildern pro Sekunde wiedergegeben werden kann – sprich kein HDMI 2.0 und HCDP 2.2. Ich hätte mir denktechnisch ja eine PlayStation-Variante gewünscht, welche BluRays hochrechnet und per HDMI 2.0 an den passenden, hauseigenen UHD-TV ausgibt. Doch da stand ich mit meiner Meinung schnell allein da. Sony hat es demnach auch dieses Jahr nicht geschafft, seine Geräte auf einen Nenner zu bekommen. Der Hersteller wirbt allerdings mit dem Angebot von Netflix und Amazon Instant Prime – den hauseigenen Streamingdienst „Video Unlimited“ erwähnte man nirgends – seltsam. Die nächste Sony-Blase, die bald platzt?
Hisense
Von diesem Hersteller versprach ich mir vor dem Besuch sehr viel, denn im Vorjahr machte man manches richtig. Auf die Frage nach Anschlussspezifikationen zeigt man mir erst einmal einen Prototypen, der sich auf Knopfdruck von einem flachen TV-Gerät in einen Curved-TV verwandeln kann. Wer das nutzt, ist hier sicher gut bedient, doch ich hatte andere Anlässe für meinen Besuch. Meine Fragen wurden damit beantwortet, dass die neuen Geräte HDMI 2.0 und HEVC unterstützen würden – was demnach zukunftssicher erscheint. So unterstützt nun das Panel wie auch der HDMI-Anschluss eine native Wiedergabe von 4K mit 60p (Bilder pro Sekunde). Die Bildbeschleunigung liegt bei 1000Hz, was bei den meisten Herstellen als üblich erscheint. Hisense hat damit alles besser gemacht, was im Vorjahr weniger durchdacht schien.
Samsung
Wenn es um Displays geht, dann ist es Samsung denen mein Herz gehört. Letztes Jahr waren die vorgestellten UHD-TV-Modelle sehr präsent – entpuppten sich aber schnell als „Betrachten? Ja! – Benutzen? Nein!“ – denn die Geräte waren technisch einfach absolut nicht auf dem Stand, den die 4K-Technik voraussetzt. Dieses Jahr muss das doch besser sein – dachte ich mir vorneweg. Und ja, es wurde besser. Zwar wirken alle Fernsehgeräte als wären sie unter eine Walze gefallen, doch hinter dem gekrümmten Walzendesign steckt das, was man sich wünscht. HDMI 2.0 und HDCP 2.2 sind bei allen neuen Geräten anzutreffen. Und dank der passenden Hardware können Inhalte auch mit H.265 (HEVC) decodiert werden. Für die Zukunft setzt der Hersteller auf das Upgradesystem in Form einer externen Anschlussbox – damit wird der Fernseher in der Zukunft mit neuen Anschlussversionen versorgt. Für das erste sind HDMI 2.0 und der Rest aber fest integriert und absolut spezifikationstauglich. Wem das Walzendesign nicht gefällt (so wie mir), der kann auch geradeförmige UHD-TV-Gerätewählen, welche ebenso alle UHD-Spezifikationen enthalten. Samsung zeigte teils native 4K-Streaminginhalte von Maxdome, die demonstrierten, dass das Material auf dem Gerät decodiert wird und nativ betrachtet werden kann. Das überzeugte definitiv. Hier konnte man mir definitiv Auskunft geben und den Konsumenten demnach gut beraten.
Diese Thematik war der Hauptgrund meines IFA-Besuchs und beschäftigte mich auch danach noch eine ganze Weile, denn ich wollte endlich wissen, ob der Krampf hinter dem HDMI-Anschluss gelöst ist. Im Allgemeinen kann man sagen: „Nein“. Ursache dafür sollte sein, dass erst zur diesjährigen IFA eine einheitliche Spezifikation von UHD erstellt wurde. Demnach müssen alle Hersteller, die ihr Fernsehgerät als UHD-TV-Gerät verkaufen wollen, ein Logo auf der Verpackung tragen – welches dem Käufer versichert, dass das Gerät Anschlüsse vorweist, die für den nativen Umgang mit UHD-Inhalten gerüstet sind. Das Logo sagt damit aus, dass das Gerät HDMI 2.0, HDCP 2.2 und HEVC (H.265) beherrscht. Bisher trägt kein Gerät dieses Logo, auch wenn Samsung und Hisense alles richtig machen. Erste offizielle Logo-Träger kann der Kunde sicher ab dem Frühjahr 2015 erwarten.
Auch die teilweise unsichere Beratung zeigt: Der Markt ist kompliziert und noch jung. Hier sollten die Aussteller ihre Mitarbeiter und Aushilfen besser schulen, denn eine Consumer-Ausstellung soll bekanntlich etwas verkaufen – dazu gehört fachkundige Beratung.
Vor jedem Kauf solltet ihr euch erkundigen, ob das gewünschte UHD-TV-Gerät zukunftssicher konzipiert wurde, bevor man sich ein technisch veraltetes TV-Gerät anschafft. Dazu gehören die Spezifikation HDMI 2.0, HDCP 2.2 und HEVC. Alle Geräte, die diese Spezifikationen nicht aufweisen, sollten schlicht und einfach nicht gekauft werden. Auch wenn tolle Bilder und Videos einen begeistern und zum Staunen bringen – es sind nur Demos, die genau diese Absicht haben.
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38 Gedanken zu „Pixelmonster ohne Ultra-High-Definition-Zukunft“
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