Der Narwal Flow 2 zeigt sich im Test als einer der stärkeren Saug- und Wischroboter, die man derzeit kaufen kann. Die Saugleistung klettert auf bis zu 31.000 Pa, die Wischwalze arbeitet nun mit 60 Grad heißem Wasser und die Navigation kann sich sehen lassen. Nun ganz ohne LiDAR-Turm ist der Roboter nur 9,5 Zentimeter hoch und kommt damit unter fast jedes Möbelstück. Gleichzeitig setzt der Hersteller den Rotstift an immer mehr Details an. Bei einem Preis von 1.299 Euro (Compact-Variante für Wasserfestanschluss: 1.499 Euro) ist das eine Menge Geld für ein Gerät, das ich preislich eher bei 1.000 Euro sehe.
Vor wenigen Jahren war Narwal hierzulande ein völlig unbeschriebenes Blatt. Inzwischen ist der Hersteller ein Dauergast bei Apfelpage und veröffentlicht mit einer Regelmäßigkeit neue Modelle, bei der man als Tester kaum noch mit dem Auspacken nachkommt. Der Flow der ersten Generation war dabei der spannendste Schritt: Statt der bekannten rotierenden Wischpads setzte Narwal erstmals auf eine breite Wischwalze, die permanent mit frischem Wasser versorgt und gleichzeitig abgezogen wird.
Genau dieses Prinzip führt der Narwal Flow 2 fort. Er ist kein Neuanfang, sondern eine konsequente Weiterentwicklung: mehr Saugkraft, heißes Wasser beim Wischen, eine überarbeitete KI für die Hinderniserkennung und eine neu gestaltete Station. Ich habe den Flow 2 über mehrere Wochen in einem Haushalt mit Hund, Hartboden und einer offenen Treppe getestet. Wie sich die zweite Generation schlägt und warum ich beim Thema Preis-Leistung dennoch die Stirn runzle, erfahrt ihr in diesem Testbericht.
Verpackung und Zubehör – ein Fortschritt, ein Rückschritt
Beim Auspacken gab es tatsächlich eine kleine Überraschung. In der Vergangenheit hatte ich Narwal nicht nur einmal für besonders viel Müll beim Unboxing kritisiert – alles von irgendwelchen Folien verhüllt und überall Styropor. Das hat sich mittlerweile deutlich verbessert. Der Hersteller setzt nun überwiegend auf stabile Kartonverpackungen. Schön, dass auch die Saugroboter-Sparte allmählich umdenkt.
In Sachen Zubehör hat Narwal an einer wichtigen Stelle nachgedacht: Das Reinigungsmittel steckt nicht mehr in einem Einweg-Behälter, den man nach dem Verbrauch wegwirft, sondern in einem Mehrwegbehälter zum Nachfüllen. Das finde ich aus zwei Gründen richtig. Erstens entsteht deutlich weniger Plastikmüll, zweitens könnt ihr theoretisch auch herstellerfremde Reinigungsmittel einfüllen und seid nicht mehr an das Narwal-Ökosystem gebunden. Kleiner Nachteil ist jedoch, dass der Behälter extrem klein ist und man ihn oft auffüllen muss.
Weniger begeistert bin ich vom neuen Staubbeutel-Design. Wer Roboter mehrerer Narwal-Generationen im Haus hat, muss für jede Generation den passenden Beutel vorrätig halten. Für Bestandskunden, die Narwal treu geblieben sind, ist das unnötig ärgerlich. Hier hätte ich mir mehr Rücksicht auf die eigene Produktfamilie gewünscht, zumal ein Beutel technisch kein Hexenwerk ist.

Roboter flach wie ein Brett, nur die Station stört
Der Roboter selbst entspricht bis auf kleine Änderungen dem Flow der ersten Generation. Die auffälligste Änderung findet sich auf der Unterseite: Statt zwei Seitenbürsten gibt es nur noch eine. Dazu später mehr, denn dieser Punkt gehört in ein größeres Kapitel…
Deutlich gelungener ist die Bauform. Der Flow 2 verzichtet komplett auf das herausstehende LiDAR-Häuschen, das man von den meisten Konkurrenten kennt. Die Navigation übernehmen zwei RGB-Kameras an der Front mit einem Sichtfeld von 136 Grad, unterstützt von einem seitlich verbauten LiDAR-Sensor. Das Ergebnis: Der Roboter ist nur 9,5 Zentimeter hoch, passt unter viel mehr Möbelstücke und macht keinen schlechteren Eindruck als vorherige Modelle. Für mich ist das der praktischste Fortschritt des gesamten Geräts, weil er sich jeden Tag bemerkbar macht.
Die Bedienfelder sitzen auf der Oberseite des Roboters, was auch bitter nötig ist. Denn seit der Flow-Reihe findet man der Station keine Steuerungselemente mehr; nicht einmal mehr einen Start-Button wie noch beim Flow der ersten Generation. Der allererste Narwal Freo hatte noch ein buntes Multi-Touch-Display im Deckel der Station, mit dem man den Roboter vollständig ohne Smartphone steuern konnte. Das war damals eine echte Besonderheit, wurde aufgrund der hohen Kosten aber gestrichen. Heute wurde alles wegrationalisiert – schade.
Ebenso wegrationalisiert wurde die magnetische Abdeckplatte des Roboters, unter der sich der Staubbehälter befindet. Das ist nun nur noch eine billige Klappe. Apropos Staubbehälter: Dieser scheint ebenso leicht überarbeitet worden zu sein. Zumindest vermisse ich einen Filtereinsatz. Ob man auf diesen bedenkenlos verzichten kann oder ob diese Sparmaßnahme zu Lasten der Hygiene geht, kann ich nicht einschätzen. Es hinterlässt jedoch ein ungutes Gefühl.

Die Basisstation ist Narwal-typisch gut verarbeitet, spricht mich optisch jedoch nicht mehr so an. Bei der Flow-Serie geht Narwal nämlich völlig andere Wege als bei den vorherigen Versionen. Zunächst ist man vom abgerundeten Formfaktor merklich abgerückt. Stattdessen wird alles kantiger und gerader, was mir nicht gefällt. Zudem sind die Wasserbehälter nun nicht mehr unter einem Deckel verborgen, sondern oben sichtbar – Roborock lässt grüßen. Narwal hat die Station schmaler und kürzer gestaltet, was in kleinen Wohnungen sicher Argumente hat. Der Preis dafür gefällt mir allerdings ebenfalls nicht: Der Roboter verschwindet nicht mehr vollständig in der Station, sondern steht vorne heraus. Genau das war für mich immer der Reiz der vorherigen Narwal-Modelle. Der Roboter parkte komplett im Korpus und das Ganze wirkte wie ein elegantes Möbelstück statt wie ein Haushaltsgerät. Einziger Trostfaktor: Die weitergeführte Freo-Reihe scheint am runderen Design festzuhalten, wenngleich auch hier die Roboter zukünftig nicht mehr vollständig in der Station verschwinden werden.
Saug- und Wischleistung mit echten Upgrades
Beim Saugen legt Narwal ordentlich nach. Von 22.000 Pa beim Vorgänger geht es auf bis zu 31.000 Pa im Turbomodus, womit sich der Flow 2 an die Spitzenleistungen anderer Marken anknüpft. Erkennt der Roboter einen Teppich, stellt er das Wischen automatisch ein, senkt den Saugschacht ab und fährt die Saugleistung hoch. In meinem Fall hat das super funktioniert: Krümel und Hundehaare aus dem Kurzflorteppich, an denen sich frühere Modelle noch die Zähne ausgebissen haben, waren nach einem Durchgang überwiegend weg. Das schafft auch ein leistungsstarken Handsauger nicht besser. Auf Hartboden gibt es ohnehin nichts zu meckern, hier liegt normaler Alltagsschmutz dem Flow 2 quasi zu Füßen. Den Staub sammelt der Roboter in dem oben erwähnten Behälter, bevor ihn die Station in den größeren Beutel absaugt.
Das Highlight der Flow-Serie ist und bleibt die Wischwalze. Sie wird kontinuierlich mit frischem Wasser benetzt, direkt danach wieder abgezogen und arbeitet nun mit 60-Grad-warmem Wasser bei einem Anpressdruck von 12 N. Der Vorgänger wäscht mit „nur“ 45 Grad. Der Unterschied zu Modellen mit Wischpads ist deutlich: Der Boden ist nach dem Durchgang nicht nur feucht, sondern tatsächlich erheblich saubererer. Je nach Verschmutzung verschmieren Wischpads den Dreck eher als ihn aufzuwischen. In meinem Fall hat der Narwal Flow 2 den Boden sehr gut gewischt, sogar eingetrocknete Kaffeespritzer in der Küche hat er nach zwei Überfahrten entfernt. Alles in allem ein super Leistungsniveau.
Praktisch ist außerdem, dass sich die Walze seitlich ausfahren und um bis zu zwölf Millimeter anheben lässt. So kommt der Roboter an Kanten und Sockelleisten heran, hält Teppiche aber trocken. Man kann die Wischleistung dabei manuell steuern und Wassermenge, Saugstufe sowie Reihenfolge selbst festlegen. Ihr könnt dank des Freo-Modus aber auch alles automatisiert ablaufen lassen: Der Roboter entscheidet dann selbst, wie oft er eine Stelle anfährt, wie viel Wasser er nutzt und wann die Walze zurück in die Station muss. Inzwischen kann man dem Freo-Modus viel mehr zutrauen als noch vor ein bis zwei Jahren. Die Reinigungsergebnisse stimmen einfach.

Navigation fast tadellos, mit einer bitteren Ausnahme
Die Navigation ist insgesamt sehr gut. Der Flow 2 fährt saubere Bahnen, findet zuverlässig zurück zur Station und hat in meinem Test durchgehend zuverlässig Hindernisse vermieden. Ladekabel, Hausschuhe, Hundespielzeug und Stuhlbeine: Alles wurde erkannt und umfahren, ohne dass ich vorher aufräumen musste. Auch wurden in diesem Test keine Hundepfoten oder Menschenfüße verletzt. Schwellen bis vier Zentimeter überwindet er ebenfalls ohne Anlauf und Anschieben.
Allerdings scheint es beim Flow 2 eine Problematik mit der Absturzerkennung zu geben oder gegeben zu haben. Bei meiner zweiten Fahrt durch den Hausflur ist der Roboter mit Voll-Speed meine Treppe heruntergefahren. Nicht zögerlich über die Kante getastet, sondern in vollem Tempo ins Nichts. Ich habe den Fehler an Narwal gemeldet und der Hersteller war hier ausgesprochen einsichtig: Es gab Anpassungen am Algorithmus und weitere Änderungen. Das Problem scheint behoben zu sein. Außerdem findet man in der App seit kurzem eine Warnung, dass man offene Treppen zur Sicherheit mit einer No-Go-Zone versehen sollte, um genau so einen Sturzflug zu vermeiden. Ich wäre froh gewesen, wenn ich hier nicht das Versuchskaninchen gewesen wäre. Dass Narwal sofort nachgebessert hat, muss man dem Hersteller aber hoch anrechnen. Wer offene Treppen im Haus hat, sollte die No-Go-Zone dennoch von Tag eins an setzen.

Deutlich mehr Freude machen die neuen KI-Funktionen. Die Kamera lässt sich auf Wunsch als Überwachungskamera nutzen und der Roboter erkennt Gegenstände, die auf dem Boden herumliegen. Das ist erstaunlich nützlich: Liegt unter dem Sofa ein Hundespielzeug, das man schon ewig sucht, markiert der Flow 2 den Fundort samt Foto in der Karte. Bei Schlüsseln oder Kopfhörern funktioniert das genauso.
Kritisch sehe ich dagegen, dass die Kameras keine Abdeckung mehr haben. Die letzten Freo-Modelle hatten noch eine Gummi-Blende, mit der man die Kamera physisch verschließen konnte. Beim Flow 1 fiel sie weg, beim Flow 2 fehlt sie weiterhin. Logisch: Der Flow 2 ist auf seine Kameras angewiesen, um vernünftig zu funktionieren. Wer damit ein Problem hat, darf sich keinen Saugroboter holen. Aber außerhalb seiner Reinigungsaufgabe habe ich keine Lust, dass ständig eine Kamera auf meine Vier Wände gerichtet ist. Deswegen ist die fehlende Blende für mich am völlig falschen Ende gespart. Privatsphäre ist kein Nice-to-have.
All-in-One-Station mit viel Automatik
Funktional macht die Station einen exzellenten Job. Sie saugt den Staubbehälter des Roboters in ihren Beutel ab, füllt den internen Wassertank auf, wäscht die Wischwalze mit bis zu 100-Grad-heißem Wasser und trocknet sie anschließend mit 60-Grad-Warmluft. Das Ergebnis überzeugt: Während die Wischpads bei manchem Vorgängermodell trotz ähnlichem Reinigungsaufwand nach einigen Monaten „durch“ waren, sieht die Walze des Narwal flow 2 auch nach mehreren Wochen noch top aus. Nach der Selbstreinigung ist sie immer schön sauber und geruchsfrei. Man muss praktisch nur noch Frischwasser nachfüllen und Abwasser entsorgen.
Apropos: Im Frischwassertank befindet sich ein kleines Kästchen mit weißen Tabletten. Ich habe hier keine belastbaren Infos gefunden, worum es sich handelt. Vielleicht sollen sie das Wasser länger frisch halten oder es enthärten, ähnlich wie Salz in der Spülmaschine. Vielleicht wisst ihr mehr? Schreibt es gerne in die Kommentare.
Weniger glücklich bin ich mit der neuen Anordnung im Inneren. Der Staubbeutel sitzt jetzt unterhalb der großen Wasserbehälter. Dadurch baut die Station schmaler, aber man kommt eben auch nicht mehr schnell an den Beutel. Bei den vorherigen Modellen saß er hinter einer abnehmbaren Front-Abdeckung und war in fünf Sekunden gewechselt. Jetzt heißt es erst Tanks heraus, eine darunter befindliche Klappe öffnen und dann erst den Beutel heraus. Das ist natürlich kein Drama, da man den Beutel nur selten tauschen muss, aber zumindest ein kleiner Komfortverlust.
Wie oben schon erwähnt, kommt die Station völlig ohne Steuereinheit. Kein Display, keine Tasten, kein Start-Button. Wer das Smartphone nicht zur Hand hat, muss zum Roboter hinuntergreifen. Von dem farbenfrohen Touch-Display des ersten Narwal Freo, dem ich sehr nachtrauere, ist die Marke damit maximal weit entfernt.

Ein kleiner Exkurs: Sparkurs bei Flaggschiff-Preisen
Am Ende meines Narwal Flow 2 Tests bleibt ein zwiespältiger Eindruck, was nicht an der Reinigungsleistung liegt. Diese ist erstklassig. Es liegt an der Summe der kleinen „Abers“, die sich mit jeder Generation weiter aufaddiert, während die Verkaufspreise gleichzeitig steigen. Nochmal zusammengefasst: Nur noch eine statt zwei Seitenbürsten. Ein Staubbehälter im Roboter, der aus weniger Einzelteilen besteht und sich damit schlechter gründlich reinigen lässt, was hygienisch nicht positiv zu bewerten ist. Keine Kameraabdeckung. Ein neues Staubbeutel-Format, das Bestandskunden zu doppelter Lagerhaltung zwingt. Keine Bedienelemente mehr an der Station. Einzeln ist jeder dieser Punkte mehr oder weniger verzeihlich, in der Summe ergibt sich ein Muster. Hinzukommt ein fehlerhafter Software-Algorithmus, der zu einem ungewollten Treppenabsturz geführt hat.
Mit Hinblick auf den aktuellen Preis frage ich mich, ob 1.299 Euro zu rechtfertigen sind. Ich sehe den Flow 2 eher bei glatt 1.000 Euro und dann wäre er eine glasklare Empfehlung. Wirklich absurd bepreist finde ich die Compact-Version des Narwal Flow 2: Sie kostet mit 1.499 Euro sogar mehr, obwohl man dort auf einen Frisch- und Abwasseranschluss angewiesen ist und sich die großen Behälter spart. Für weniger Hardware mehr Geld zu verlangen, mag sich über den gewonnenen Komfort der Festinstallation rechtfertigen lassen, für mich ist das aber definitiv zu viel.
Wer eine technisch super Reinigungsleistung in dieser Klasse will, einen besonders sehr flachen Roboter braucht und mit den genannten Abstrichen leben kann, macht mit dem Flow 2 trotzdem nichts falsch. Ich würde allerdings auf eine Rabattaktion oder die Vorstellung neuer Modelle bei der IFA 2026 warten. Und wer eine offene Treppe im Haus hat, richtet vor der ersten Fahrt bitte eine No-Go-Zone ein!


