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Interview: Dr. Christian Caracas – Autor von „Apple Junkies – Was die Anderen nicht verstehen wollen!“

Apfelpage hat Dr. Christian Caracas getroffen, den Autor des Buches „Apple Junkies – Was die Anderen nicht verstehen wollen!“. Wir haben ihn (doch etwas kritischer) dazu befragt, ob das Ganze mehr als ein Fanboy-Buch ist. Aber lest selbst!

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Interview

AP: Herr Caracas, danke für Ihre Zeit! Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Buch über Apple zu schreiben?

CC: Danke Ihnen! Ich selbst bin ein Apple-Fan und habe in meinem privaten Umfeld immer wieder festgestellt, dass die Welt im Grunde immer noch zweigeteilt ist – es gibt Apple Fans und Apple Gegner. Nach vielen Gesprächen habe irgendwann erkannt, dass mir weder die eine noch die andere Seite wirklich überzeugende Argumente für deren Position vermitteln konnte. Ich habe mich in Gesprächen selbst dabei ertappt, dass ich nicht in der Lage war, aus dem Stegreif zu prägnant zu erläutern, was den Unterschied zwischen Apples Produkten und denen der Konkurrenz ausmacht. Und wenn ich es mir selbst nicht ad-hoc beantworten kann, wie sollen es dann andere verstehen? Also habe ich mich entschlossen, ein Buch darüber zu schreiben, um dabei in mich zu gehen und zu erforschen, was mich an Apple so fasziniert.

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AP: Und was ist es denn? Was unterscheidet denn Apple wirklich noch von der Konkurrenz? Etwa der Preis? (lacht)

CC: Es sind sehr viele Punkte, aber ich möchte einen davon herauspicken. Es beginnt damit, dass die Produktentwicklung bei Apple dort ansetzt, wo andere das Ende sehen. In der Regel stellt man sich den Produktionsprozess in der Entstehungsphase üblicherweise so vor, dass die besten Ingenieure ihre Köpfe zusammenstecken, um dann durch Erfindungsgeist und harte Arbeit zu einem genialen neuen Gerät oder einer neuen Gerätefunktion zu kommen. Wenn dieser technische Durchbruch geschafft ist, wird in einem zweiten Schritt geschaut, wie man die Menschen davon überzeugen kann, dass diese neue technische Möglichkeit ihnen einen echten Mehrwert bietet. Bei Apple ist dies genau umgekehrt. Hier steht die menschliche Persönlichkeit im Mittelpunkt – und zwar noch bevor technische Möglichkeiten überhaupt ausgereizt oder auf eine andere Stufe gehoben werden. Apple versucht den Menschen mit seinen Eigenschaften als maßgeblichen Grund und Ausgangspunkt für das Produkt zu sehen. Das mag vielleicht etwas philosophisch oder auch abgedroschen klingen, aber ich denke, hier ist wirklich etwas Wahres dran. Denn Steve Jobs hatte des Öfteren seine Sichtweise auf die Dinge erläutert und klargemacht, dass er den Computer als Bestandteil der menschlichen Persönlichkeit, also als Verlängerung der Persönlichkeit nach außen, ansieht und nicht bloß als ein reines Werkzeug, das völlig losgelöst vom Menschen eingesetzt wird. Wenn man das erkannt hat, versteht man, warum man bei Apple nicht zuerst danach fragt, was technisch überhaupt möglich ist, sondern was man herstellen kann, das den Menschen inspiriert und in seiner Persönlichkeit mit all ihren Wünschen und Bedürfnissen bereichert. Das Produkt von Apple ist damit nicht so sehr das Ergebnis der technischen Möglichkeiten, sondern vielmehr das Ergebnis der Erforschung der menschlichen Persönlichkeit. Das ist beispielsweise auch der Grund, warum das Design bei Apple so eine große Rolle spielt. Apple hat erkannt, dass der Mensch selbst ein kreatives Wesen ist, dass durch schönes Design, selbst wieder in die Lage versetzt wird, kreativ zu sein, um damit wiederum seiner eigenen Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen. Apple hat auch erkannt, dass der Mensch so direkt wie möglich kommunizieren will, weshalb Apple jede Menge Energie und Hirnschmalz investiert, um unnötige Interaktionen mit dem Gerät zu vermeiden und auch bestehende Barrieren bei der Bedienung (sei es hardware- oder softwareseitig) zu verringern. Man denke hier nur an Assistive Touch, dass behinderten bzw. körperlich eingeschränkten Menschen ermöglicht, Apples Produkte zu bedienen. Hier hängt die Konkurrenz um Jahre hinterher. Apple hat auch erkannt, dass der Mensch in seinem Alltag unordentlich ist. Er will nichts sortieren oder strukturiert ablegen. Er will Dinge vergessen können, aber trotzdem behalten und wenn es darauf ankommt zu jeder Zeit und von überall aus wiederfinden – willkommen in der iCloud.

AP: Erlauben Sie uns diese Frage: Ist das nicht etwas naiv? Fängt ein Unternehmen wirklich dort an, wo andere aufhören, wenn es ein Smartphone ohne Always-On-Display, 3-fach-Zoom, 8K-Video, 8GB RAM, 120Hz-Display… (wir könnten hier noch weiter machen) auf den Markt bringt? 

CC: Danke für diese Frage. Ich denke, genau in diesem von Ihnen formulierten Gedanken, liegt der Trugschluss, dem auch die Apple-Konkurrenz unterliegt. Die Konkurrenz springt viel zu leicht auf die Schiene der rein technischen Specs eines Gerätes auf, nach dem Motto, „viel hilft viel“, wie z.B. unsere Kamera hat mehr Megapixel als die von Apple, wir verbauen mehr RAM-Speicher und unser Zoom geht bis ins 100-fache, usw. Der Grund hierfür ist, dass man sich über diese technischen Specs natürlich viel leichter vergleichen kann als über das schwer messbare Design der Benutzerführung oder die nahtlose Integration des Benutzererlebnisses über mehrere Geräte hinweg. Dieser rein specbezogene Vergleich ist aber nur ein sehr oberflächlicher und das ist wiederum das, was die anderen Produkthersteller eben nicht verstehen wollen. Denn diese Spec-Protzerei auf dem Papier bringt dem Nutzer rein gar nichts, wenn die Funktionen am Ende nicht ausgereift oder fehlerhaft sind. Auch täuscht dieser Hochrüstwettlauf über die Specs häufig über die Tatsache hinweg, dass das Ergebnis in der Realität dann doch zu Gunsten von Apple ausfällt. So hat ein iPhone mit 4GB RAM ein wesentlich besseres Speichermanagement als ein anderes Smartphone der Konkurrenz mit 8 GB RAM und kann damit wesentlich komfortabler und für den Nutzer performanter arbeiten. Am Ende zählen eben nur das reale Ergebnis und die Wahrnehmung des Nutzers während der Nutzung. Mit der Fokussierung auf das reale Benutzererlebnis fängt Apple aus meiner Sicht eben doch dort an, wo andere mit ihrem limitierten Fokus auf die Specs aufhören.

AP: Was sind für Sie die stärksten Argumente gegen einen Kauf von Apple Produkten? Gibt es die?

CC: Die gibt es mit Sicherheit. Der Punkt ist, dass ich natürlich nur aus der Perspektive eines Kunden beurteilen kann, was mir an Apples Produkten nicht gefällt. Ich habe beispielsweise das Gefühl, dass Apples heilige Kuh immer mehr angesägt wird. Ich spreche von der Eigenschaft, die Apples Produkten vor Jahren, selbst von Gegnern, zugestanden wurde, nämlich dass die Dinger einfach funktionieren. Die Geräte konnten nicht alles, was die Konkurrenz konnte, aber das was das Gerät konnte, konnte es um Welten besser und verlässlicher. Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass dieser Grundsatz unternehmenspolitisch nicht mehr so kompromisslos und ohne Rücksicht auf Verluste durchgesetzt wird. Das aber ist es, was der Apple-Kunde, gerne auch zu hohen Preisen, einkaufen möchte – nämlich Vertrauen. Stattdessen habe ich das Gefühl, dass Apple immer weniger (seltener) geneigt ist, Nein zu sagen. Nein zu unbedarften Kundenwünschen nach zigfachen Einstellungs- und Individualisierungsmöglichkeiten. Nein zu immer mehr Funktionen, die nur um ihrer selbst willen existieren, aber nichts an der Begeisterung der Kunden verbessern, nur um den Eindruck zu erwecken, man würde mit der vermeintlichen Innovation der Konkurrenz mithalten. Und last but not least finde ich, dass die Bedienbarkeit auch nicht mehr so einfach und selbsterklärend ist, wie früher. Ich weiss nicht, ob es hierzu Messungen gibt, aber meiner Einschätzung nach ist der kognitive Aufwand, der erforderlich ist, um mit dem Gerät eine bestimmte Aktion auszulösen, in den letzten Jahren gestiegen – oder ich bin dümmer geworden, was natürlich nicht auszuschließen ist. Ich denke hier nur an die Bedienung meiner HomePods Mini über die App „Home“.

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AP: Wie überzeugen Sie heute einen Apple Gegner zu Apple zu wechseln?

CC: Gar nicht. Das ist auch nicht das Ziel meines Buchs. Mir geht es darum, der jeweils anderen Seite unterschiedliche Blickwinkel aufzuzeigen und wie es in einem meiner Kapitel heisst „die Brücke zwischen den Welten“ zu bauen. Aus diesem Grund habe ich in diesem Kapitel auch einen absoluten Apple Gegner sowie einen Apple-Junkie in einigen Passagen zu Wort kommen lassen, die ihre persönliche Sichtweise darstellen durften. Aber wenn ich es darauf anlegen würde, jemanden zu überzeugen, würde ich einem Android-Smartphone-Nutzer einfach anbieten, einmal einen Gerätewechsel beim iPhone (also von einem älteren iPhone auf ein neueres Modell) samt Übertragung aller auf dem alten iPhone befindlichen Daten über iCloud auszuprobieren. Ich denke, in diesem Fall bräuchte ich nicht viel mehr ergänzen.

AP: Immer wieder diskutieren wir in unserem Podcast, wann Tim Cook denn ersetzt wird. Welche Fähigkeiten braucht der Apple CEO der späteren 2020er-Jahre?

CC: Schwierige Frage, weil ich die aktuelle Besetzung und vor allem die Profile der jeweiligen Akteure nicht wirklich kenne. Im Grund sollte es der- oder diejenige sein, welche(r) diese Aufgabe im Sinne des Unternehmens am Besten erfüllen kann. In einer vor kurzem mit mir und weiteren Gesprächspartnern geführten Diskussionsrunde habe ich eine Aussage gehört, die mich überrascht hatte, weil sich scheinbar alle einig waren: Der Nachfolger müsse ein gestandener Manager (ähnlich wie Tim Cook) sein, der das riesige Unternehmen Apple in die Zukunft führt. Diese Ansicht teile ich überhaupt nicht. Ich denke, ein Unternehmen wie Apple braucht weniger Manager, sondern mehr Produktingenieure und -Designer an der absoluten Führungsspitze. Denn nur das Produkt ist und sollte Kern aller Unternehmensbestrebungen sein und nicht etwa ein geschicktes Management, dass seinerseits über Produkte bestimmt. In meinem Buch habe ich auch versucht herauszustellen, das weder Management noch das Marketing, das Produkt ersetzen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Das Management und das Marketing sind aus meiner Sicht wichtige, aber mittellose Gehilfen, die ohne das Produkt selbst, nur noch einen eigenen Selbstzweck erfüllen. Dieses Verhältnis wird meines Erachtens in vielen Unternehmen miteinander vertauscht.

AP: Wo steckt die Größte Gefahr Ihrer Meinung nach für die Zukunft von Apple? Ist es der CEO-Wechsel oder sind das schleichende Prozesse, die wir beobachten könnten irgendwann?

CC: Apple betätigt sich zunehmend in wichtigen Bereichen, wie Umweltschutz, Gesundheit sowie Datenschutz und nimmt dadurch in vielen Fällen eine Vorbildfunktion und Vorreiterrolle ein. Meiner Meinung nach liegt die größte Gefahr für Apple in der Zukunft darin, dass Apple sich zunehmend in diese Rollen verbeißt und stattdessen seinen engen Fokus auf das Produkt selbst aus den Augen verliert. Aktuell zeigt sich diese Tendenz an Apples heftig kritisierten Plänen, die Fotos der User automatisch nach kinderpornografischen Inhalten zu durchsuchen und unter bestimmten Voraussetzungen an ausgewählte Stellen zu melden. Natürlich wird der Schutz der Kinder von niemandem in Frage gestellt, aber Apple gerät durch ein solches Vorgehen möglicherweise in die Rolle des verlängerten Arms des Staates. Sollten all diese Betätigungen dazu führen, dass das Produkt selbst nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit und Ressourcen erhält, könnte sich Apple auf Dauer seines eigenen Kerns berauben.

AP: Danke Ihnen für Ihre Zeit!

CC: Ich danke Ihnen ebenso!

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Lukas Gehrer
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1 Kommentar zu dem Artikel "Interview: Dr. Christian Caracas – Autor von „Apple Junkies – Was die Anderen nicht verstehen wollen!“"

  1. Julian 4. September 2021 um 15:23 Uhr ·
    Schönes Interview, danke vielleicht kaufe ich das Buch.
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