Eine Überraschung war er nicht mehr, Apples erster Mac mit einem Touch-Bildschirm. Lange hatte man sich in Cupertino strikt geweigert, die Technik einzusetzen, die inzwischen in so gut wie allen Oberklasse-Notebooks, vielen Mittelklasse-Geräten und bereits in den oft eher günstigen Chromebook zu finden ist. Nun gibt man sich redlich Mühe, den eigenen Touchscreen im Mac von den berührungsempfindlichen Bildschirmen in anderen Notebooks abzugrenzen.
Dass Apple heute den ersten Mac mit einem Touchscreen präsentiert hat, dürfte die Neuigkeit sein, auf die sich Medien und Öffentlichkeit als erstes stürzen werden, hatte Apple doch, des Jahrzehnte nachhallenden Echos von Übervater Steve Jobs eingedenk, bislang hier hartnäckig gemauert: Computer haben keinen Touchscreen, das war bislang die eiserne Devise, weil, wie Jobs einst ausführte, das unbequem und für den Nutzer sowieso vollkommen unnötig und medientechnisch unzumutbar ist.
Hier aber nun ist Apples erster Touch-Mac, das MacBook Pro mit PROLED XDR-Display und Apple bemüht sich sichtlich, diesen Umstand nicht zu sehr in den Blickpunkt zu rücken, denn zunächst geht man in der Ankündigung auf die Eigenschaften des Displays insgesamt ein, die, das muss man anerkennen, tatsächlich eindrucksvoll klingen.
Apple stellt MacBook Pro mit OLED-Touchscreen und Dynamic Island vor
MacBook Pro erstmals mit OLED
Die neuen Modelle mit 14 und 16 Zoll großen Displays erhalten erstmals einen OLED-Touchscreen, die vom iPhone bekannte Dynamic Island und ein deutlich leichteres Gehäuse. Hinzu kommen die leistungsstarken M5-Pro- und M5-Max-Chips, bis zu 128 GB gemeinsamer Arbeitsspeicher und SSD-Konfigurationen mit maximal 16 TB Kapazität.
Mit dem neuen PROLED XDR Display vollzieht Apple einen grundlegenden Technologiewechsel. Statt der bisherigen Displaytechnik kommt nun ein Tandem-OLED-Panel zum Einsatz, das besonders hohe Helligkeits- und Kontrastwerte ermöglichen soll.
OLED-Display mit 2.000 Nits und 120 Hz
Das neue PROLED XDR Display erreicht laut Apple eine Spitzenhelligkeit von bis zu 2.000 Nits, sowohl bei HDR- als auch bei SDR-Inhalten. Das angegebene Kontrastverhältnis beträgt 10.000.000:1. Die adaptive Bildwiederholrate reicht von 10 bis 120 Hz.
Auch bei der Farbdarstellung gibt es Verbesserungen. Neben dem P3-Farbraum wird erstmals Adobe RGB unterstützt. Darüber hinaus deckt das Display mehr als 80 Prozent des Rec.-2020-Farbraums ab. Damit richtet sich Apple insbesondere an professionelle Anwender in der Foto- und Videobearbeitung sowie im Grafikdesign.
Eine neue Display Engine steuert Helligkeit und Farbdarstellung der einzelnen Pixel in Echtzeit. Dabei werden unter anderem Temperatur, Umgebungsbedingungen und die bisherige Nutzung der Pixel berücksichtigt. Dies soll eine gleichmäßige Bilddarstellung und eine langfristig stabile Bildqualität gewährleisten.
Optional ist das MacBook Pro mit Nanotexturglas erhältlich, das Reflexionen bei ungünstigen Lichtverhältnissen reduzieren soll.
Erstmals Touch-Bedienung auf dem MacBook Pro
Eine der größten Neuerungen ist die integrierte Touch-Funktion. Erstmals lässt sich ein MacBook Pro direkt über den Bildschirm bedienen. Apple unterstützt dafür bekannte Gesten wie Wischen, Zoomen mit zwei Fingern und das Verschieben von Inhalten per Drag-and-drop.
Die Touch-Sensorik ist direkt in das Display integriert, um die Eingabeverzögerung möglichst gering zu halten. Ein überarbeitetes Scharnier soll verhindern, dass der Bildschirm bei Berührungen zu stark nachgibt.
Auch professionelle Anwendungen profitieren von der neuen Eingabemöglichkeit. In Grafikprogrammen können Anwender direkt auf der Arbeitsfläche zeichnen oder Objekte bearbeiten. Musiksoftware ermöglicht die Bedienung virtueller Instrumente über den Bildschirm. Entwickler können zudem Touch-Funktionen ihrer iOS- und iPadOS-Anwendungen unmittelbar auf dem Mac testen.

Apple hat unter anderem Final Cut Pro, Logic Pro und Pixelmator Pro für die Touch-Bedienung angepasst. Auch zahlreiche Anwendungen anderer Hersteller unterstützen die Funktion, darunter Microsoft Office, Adobe Lightroom, DaVinci Resolve, Blender und Cinema 4D.
Bestehende Programme bleiben grundsätzlich bedienbar, da macOS Berührungen automatisch als Mausklicks interpretieren kann. Tastatur, Trackpad und die bekannten Tastenkombinationen stehen weiterhin zur Verfügung.
Dynamic Island kommt auf den Mac
Zusätzlich übernimmt Apple die Dynamic Island vom iPhone. Der interaktive Anzeigebereich ermöglicht es, laufende Aktivitäten und wichtige Informationen direkt am oberen Bildschirmrand darzustellen.
Nutzer können darüber beispielsweise Anrufe annehmen, die Musikwiedergabe steuern oder eingehende AirDrop-Anfragen bestätigen. Auch Live-Aktivitäten werden in der Dynamic Island angezeigt und lassen sich per Berührung bedienen.
Dünneres Gehäuse und deutlich weniger Gewicht
Trotz der zusätzlichen Displaytechnik fallen die neuen MacBook-Pro-Modelle leichter aus als ihre Vorgänger. Das 14-Zoll-Modell wiegt nur noch 1,38 Kilogramm und damit rund 230 Gramm weniger. Beim 16-Zoll-Modell sinkt das Gewicht um etwa 320 Gramm auf 1,82 Kilogramm.
Auch die Gehäusehöhe wurde reduziert. Das größere Modell ist knapp einen Millimeter dünner, die kleinere Variante etwa einen halben Millimeter.
Durch schmalere Bildschirmränder wächst die Diagonale des großen Modells auf 16,3 Zoll. Das kleinere MacBook Pro besitzt ein 14,2 Zoll großes Display.
Apple hat außerdem das Kühlsystem überarbeitet, um die Leistung der M5-Pro- und M5-Max-Chips trotz des kompakteren Gehäuses dauerhaft abrufen zu können.
M5 Pro und M5 Max für anspruchsvolle Anwendungen
Bei den Prozessoren setzt Apple auf den M5 Pro und den M5 Max. Beide Chips richten sich insbesondere an professionelle Anwender mit hohen Anforderungen an Rechen- und Grafikleistung.
Zu den vorgesehenen Einsatzgebieten gehören die Bearbeitung mehrerer 8K-Videostreams, komplexe 3D-Animationen, wissenschaftliche Berechnungen und die lokale Ausführung großer KI-Modelle.
Laut Apple ermöglicht insbesondere der M5 Max die Verarbeitung von Sprachmodellen mit Hunderten Milliarden Parametern direkt auf dem Gerät. Die tatsächlich nutzbare Modellgröße hängt dabei unter anderem von der gewählten Speicherausstattung ab.
Die Grafikprozessoren verfügen über Neural Accelerators in jedem GPU-Kern, eine Raytracing Engine der dritten Generation und dynamisches Caching. Diese Technologien sollen sowohl KI-Berechnungen als auch grafikintensive Anwendungen beschleunigen.
Das MacBook Pro kann mit bis zu 128 GB gemeinsamem Arbeitsspeicher ausgestattet werden. Bei der SSD steigt die maximal verfügbare Kapazität auf 16 TB.
Thunderbolt 5 und bis zu vier externe Monitore
Zur Anschlussausstattung gehören drei Thunderbolt-5-Ports, HDMI, ein SDXC-Kartenleser, MagSafe und ein Kopfhöreranschluss.
Mit dem M5 Pro unterstützt das Notebook bis zu drei externe Bildschirme. In der Konfiguration mit M5 Max können bis zu vier zusätzliche Monitore betrieben werden.
Für drahtlose Verbindungen stehen Wi-Fi 7 und Bluetooth 6 bereit. Die Akkulaufzeit gibt Apple mit bis zu 24 Stunden an. Über die Schnellladefunktion soll sich der Akku innerhalb von 30 Minuten auf bis zu 50 Prozent aufladen lassen.
Verbessertes Audiosystem und neue Displayfunktionen
Auch das Audiosystem wurde überarbeitet. Die sechs integrierten Lautsprecher sollen durch neue Tieftöner einen um 50 Prozent erweiterten Bassbereich bieten. Hinzu kommen neue Hochtöner, Unterstützung für Dolby Atmos und Mikrofone in Studioqualität.
Für professionelle Bildbearbeitung und Videoproduktion bietet Apple zusätzliche Kalibrierungsmöglichkeiten und Referenzmodi. Dazu gehören neue DICOM-Modi für die Darstellung medizinischer Bilddaten in Forschung und Lehre.
Darüber hinaus unterstützt das MacBook Pro Genlock zur Synchronisierung der Bildwiederholrate mit Kameras. Das kann insbesondere bei virtuellen Filmproduktionen helfen, Bildartefakte und Synchronisationsprobleme zu vermeiden.
Preise und Verfügbarkeit
Die neuen MacBook-Pro-Modelle mit PROLED XDR Display können ab sofort vorbestellt werden. Der Verkaufsstart erfolgt am Freitag, dem 6. November. Die Basiskonfiguration mit 14 Zoll bekommt ihr ab 3.299 Euro, Bildungskunden zahlen ab 3.129 Euro. Die Version mit 16 Zoll startet ab 3.899 Euro beziehungsweise 3.669 Euro für Bildungskunden.
Die 14-Zoll-Version mit dem M5 Max startet ab 5.119 Euro, 5.599 Euro für das 16-Zoll-Modell.
Der Maximalausbau lässt den Preis auf jenseits von 16.000 Euro hinaufschießen.
Update
Falschen Einstiegspreis im Text korrigiert und weitere Preise ergänzt.


