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Apps

29. August 2026

Toni Ebert

Warum manche iPhone-Apps strengere Regeln erfüllen müssen

Wer eine App im Apple App Store veröffentlichen möchte, muss zahlreiche technische und organisatorische Vorgaben erfüllen. Viele davon gelten für sämtliche Anwendungen gleichermaßen, etwa Anforderungen an Datenschutz, Sicherheit oder Transparenz. Es gibt jedoch bestimmte App-Kategorien, für die Apple deutlich strengere Prüfungen vorsieht. Für Nutzerinnen und Nutzer bleibt dieser Freigabeprozess meist unsichtbar, obwohl er entscheidend dafür ist, welche Funktionen eine App anbieten darf und welche gesetzlichen Vorgaben sie erfüllen muss.

Besonders interessant wird dieses Thema im Zusammenhang mit dem Digital Markets Act, der die Rahmenbedingungen für Plattformbetreiber in Europa verändert hat. Erst wenn man einen Blick hinter die Kulissen wirft, wird deutlich, wie unterschiedlich einzelne App-Kategorien behandelt werden und warum manche Anwendungen wesentlich umfangreichere Prüfprozesse durchlaufen als andere.

Warum manche App-Kategorien strengeren Regeln unterliegen

Nicht jede App wird im Freigabeprozess identisch behandelt. Anwendungen aus Bereichen wie Gesundheit, Finanzen oder anderen regulierten Branchen müssen häufig zusätzliche Nachweise erbringen und besondere technische Anforderungen erfüllen. Je nach Einsatzzweck können dazu gesetzliche Genehmigungen, Sicherheitsmaßnahmen oder länderspezifische Vorgaben gehören, die bereits vor der Veröffentlichung überprüft werden.

Zu diesen Kategorien gehören auch Apps mit Echtgeldfunktionen. Bei einem in Deutschland lizenzierten Anbieter wie Betano muss nachgewiesen werden, dass für jedes Land, in dem die App verfügbar sein soll, die erforderlichen behördlichen Genehmigungen vorliegen. Die Verfügbarkeit wird anschließend genau auf diese Länder beschränkt.

Hinzu kommen technische Anforderungen. Dazu zählen die Standortprüfung, damit die App außerhalb der erlaubten Regionen nicht genutzt werden kann, Altersbeschränkungen im App Store sowie die Vorgabe, dass Ein- und Auszahlungen nicht über Apples In-App-Käufe erfolgen dürfen. Stattdessen werden die Zahlungssysteme des jeweiligen Anbieters genutzt, da es sich nicht um digitale Inhalte, sondern um Echtgeldtransaktionen handelt.

Gerade diese letzte Besonderheit erklärt, warum sich der Bezahlvorgang in solchen Apps deutlich von anderen Anwendungen auf dem iPhone unterscheidet.

Der DMA hat die Ausgangslage verschoben

Seit dem Digital Markets Act ist Apple in der EU als sogenannter Gatekeeper eingestuft, zunächst für iOS im September 2023 und später zusätzlich für iPadOS. Die Verordnung schreibt unter anderem vor, dass Entwickler nicht daran gehindert werden dürfen, Zahlungen außerhalb der Plattform abzuwickeln, und dass alternative Vertriebswege möglich sein müssen. Die Europäische Kommission stellt die Grundlagen und den aktuellen Stand der Umsetzung auf ihrer Informationsseite zum Digital Markets Act dar, einschließlich der benannten Gatekeeper.

Für die meisten Apps hat sich dadurch bislang nur wenig verändert. Für Kategorien, die ohnehin außerhalb des In-App-Kaufs abrechnen mussten, war die Ausgangslage bereits eine andere. Spannend bleibt jedoch die Frage, ob alternative Vertriebswege in der EU langfristig dazu führen werden, dass regulierte Anbieter ihre Apps zunehmend außerhalb des App Stores bereitstellen.

Warum das trotzdem selten passiert

Technisch wäre das möglich, praktisch spricht jedoch wenig dafür. Eine App außerhalb des App Store zu installieren, ist für die meisten Nutzerinnen und Nutzer mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Gleichzeitig ist die Präsenz im offiziellen Store für viele Anbieter ein wichtiges Vertrauenssignal. Wer eine Anwendung direkt über Apple herunterlädt, geht in der Regel davon aus, dass sie einen umfangreichen Prüfprozess durchlaufen hat.

Hinzu kommt, dass regulierte Anbieter ohnehin bereits unter staatlicher Aufsicht stehen und wenig Interesse daran haben, durch alternative Vertriebswege zusätzliche Unsicherheit bei ihren Nutzerinnen und Nutzern zu erzeugen. Für sie ist der App Store weniger ein Hindernis als vielmehr ein wichtiger Bestandteil ihrer Vertrauenswürdigkeit.

Die Ortsprüfung ist technisch interessanter, als sie klingt

Der Teil, der Entwicklerinnen und Entwickler am stärksten beschäftigt, ist die Standortbestimmung. Eine reine IP-Abfrage reicht nicht aus, weil sie sich vergleichsweise leicht umgehen lässt. Eine permanente GPS-Ortung wäre dagegen datenschutzrechtlich problematisch und würde sich negativ auf den Akkuverbrauch auswirken.

Deshalb kombinieren moderne Anwendungen mehrere Signale und prüfen diese nur zu bestimmten Zeitpunkten, etwa beim Login oder unmittelbar vor einer Transaktion. Unter iOS bedeutet das, mit den vom Betriebssystem vergebenen Standortberechtigungen zu arbeiten und gleichzeitig zu berücksichtigen, dass Nutzerinnen und Nutzer diese Berechtigung jederzeit widerrufen können.

Wer solche Funktionen bereits entwickelt hat, weiß, dass die eigentliche Herausforderung nicht die Standorterkennung ist, sondern der Umgang mit fehlenden Berechtigungen. In diesem Fall darf die App nicht spekulieren, sondern muss die betreffende Funktion konsequent deaktivieren.

Was in dieser Kategorie zusätzlich im Hintergrund läuft

Neben Apples eigenen Vorgaben gelten für in Deutschland lizenzierte Glücksspielanbieter zusätzlich die Anforderungen des Glücksspielstaatsvertrags. Dazu gehören unter anderem eine Abfrage gegen das bundesweite Sperrsystem OASIS, in das sich Nutzerinnen und Nutzer selbst eintragen lassen können, sowie die Anbindung an LUGAS. Über dieses System wird das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von derzeit 1.000 Euro pro Monat in Echtzeit überwacht.

Aus Entwicklersicht bedeutet das mehrere externe Systeme im kritischen Ablauf einer Anmeldung, zusätzlich zur Standortprüfung und Identitätskontrolle. Wer sich fragt, warum die Registrierung in solchen Apps mehr Zeit in Anspruch nimmt als bei anderen Anwendungen, findet hier die Antwort. Nicht schlechte Programmierung ist der Grund, sondern mehrere verpflichtende Prüfungen, die nicht übersprungen werden dürfen.

Der App Store zeigt davon nichts

Bemerkenswert ist, wie wenig von diesen Prozessen auf der Produktseite im App Store sichtbar wird. Dort finden sich eine Altersfreigabe, eine Datenschutzübersicht und die übliche Beschreibung der Anwendung. Ob ein Anbieter über eine nationale Lizenz verfügt oder welchen regulatorischen Vorgaben er unterliegt, erfahren Nutzerinnen und Nutzer dagegen nicht, obwohl genau diese Informationen den Unterschied zwischen einem legalen und einem nicht zugelassenen Angebot ausmachen.

Apple überprüft diese Voraussetzungen zwar im Freigabeprozess, kommuniziert sie jedoch nicht auf der Produktseite. Für einen Store, der seit Jahren mit Sicherheit und Qualitätskontrolle wirbt, wirkt diese fehlende Transparenz durchaus bemerkenswert.

Altersangaben im Store sind kein Jugendschutz

Ein Punkt sorgt regelmäßig für Missverständnisse: Die Altersfreigabe im App Store ist lediglich eine Kennzeichnung, keine Altersprüfung. Sie informiert darüber, für welche Altersgruppe eine App vorgesehen ist, überprüft jedoch nicht das tatsächliche Alter der Person, die das Gerät verwendet.

Die eigentliche Alterskontrolle erfolgt bei regulierten Anwendungen erst während der Kontoeröffnung über eine Identitätsprüfung mit einem Ausweisdokument. Deshalb lassen sich solche Apps zwar herunterladen, jedoch erst nach erfolgreicher Verifizierung vollständig nutzen.

Apples Bildschirmzeit und die Familienfreigabe können Downloads zusätzlich einschränken und bieten Eltern in der Praxis deutlich wirksamere Möglichkeiten als die reine Alterskennzeichnung im Store.

Was sich auf dem Gerät bemerkbar macht

Für Nutzerinnen und Nutzer zeigen sich die Besonderheiten dieser Anwendungen vor allem in drei Bereichen. Der Registrierungsprozess dauert länger, weil eine Identitätsprüfung erforderlich ist. Ein- und Auszahlungen erfolgen über externe Zahlungsdienstleister und nicht über Apples eigenes Bezahlsystem. Außerdem kann es vorkommen, dass bestimmte Funktionen im Ausland nicht verfügbar sind, weil nationale Lizenzvorgaben eingehalten werden müssen.

Diese Unterschiede sind keine Folge schlechter Programmierung, sondern direkte Auswirkungen der regulatorischen Anforderungen, denen diese App-Kategorie unterliegt.

Ausblick

Die spannendste Entwicklung betrifft inzwischen weniger einzelne App-Kategorien als die Frage, wie sich Altersverifikation künftig auf Betriebssystemebene entwickeln wird. Sowohl innerhalb der Europäischen Union als auch in einzelnen Mitgliedstaaten wird darüber diskutiert, ob Betriebssysteme oder App Stores künftig eine verifizierte Altersinformation bereitstellen könnten, die Apps abfragen dürfen, ohne selbst Ausweisdokumente speichern zu müssen.

Für Apple würde ein solcher Schritt eine deutliche Veränderung bedeuten, da das Unternehmen bislang bewusst darauf verzichtet, diese Prüfungen selbst durchzuführen. Für Entwicklerinnen und Entwickler könnte ein einheitlicher Standard viele Prozesse vereinfachen. Ob sich dieses Modell durchsetzt, bleibt offen, die Richtung der aktuellen Diskussion ist jedoch klar erkennbar.