Die 60-Tage-Frist nach der Milliardenstrafe der EU-Kommission nähert sich dem Ende und Google reagiert. Der Konzern gestaltet seine Suchergebnisse in Europa tiefgreifend um. Vergleichsportale rücken bei Kaufanfragen an prominente Stellen, direkte Anbieter verlieren an Sichtbarkeit.
Kontext
Wie Apfelpage im Juli berichtete, hatte die EU-Kommission Google wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act mit Geldbußen von insgesamt 890 Millionen Euro belegt. Allein 460 Millionen Euro davon entfielen auf die Bevorzugung eigener Dienste in den Suchergebnissen. Verbunden mit dem Bußgeld war eine Frist von 60 Tagen, um die beanstandete Selbstbevorzugung abzustellen. Diese Frist läuft um den 21. September ab: bei Nichtbefolgung drohen Zwangsgelder von bis zu fünf Prozent des weltweiten Tagesumsatzes.
Vergleichsportale statt Direktergebnisse
Nun steht fest, wie Google die Vorgaben umsetzen will. Die Änderungen betreffen vor allem Suchanfragen mit Kaufabsicht, also die Suche nach Hotels, Flügen, Restaurants oder Einkaufsmöglichkeiten. Bei solchen Anfragen erscheint künftig ein spezialisiertes Vergleichsportal, etwa Booking.com oder Expedia, prominent an oberster Stelle, gefolgt von zwei weiteren Vermittlern mit weniger Detailtiefe. Direkte Angebote von Hotels, Fluggesellschaften und anderen Unternehmen rutschen dagegen weiter nach unten. Gleichzeitig speckt Google seine bekannten Ergebnis-Karussells ab: Echtzeitpreise und bisher direkt sichtbare Buchungsdetails verschwinden dort teilweise. Die Reihenfolge der eingeblendeten Dienste bestimmt weiterhin Googles eigener Algorithmus. Außerhalb der EU bleibt alles beim Alten.
Google warnt vor schlechterer Nutzererfahrung
Nick Fox, Googles Senior Vice President für Knowledge and Information, bezeichnete die Anpassungen gegenüber Reuters als Verschlechterung für europäische Nutzer – zum Vorteil von Online-Vermittlern und zum Nachteil lokaler Unternehmen. Bereits die früheren DMA-Anpassungen hätten laut Konzernangaben dazu geführt, dass kostenlose direkte Buchungszugriffe auf europäische Unternehmenswebseiten um rund 30 Prozent zurückgingen. Google erwartet, dass die neuesten Änderungen diesen Rückgang weiter verschärfen.
Die neue Darstellung hat der Konzern nach eigener Aussage bereits mit Millionen Nutzern in Europa getestet. Die Reaktionen seien überwiegend negativ ausgefallen – Nutzer hätten Suchanfragen häufiger umformulieren müssen, um an die gewünschten Informationen zu gelangen. In einem früheren Testlauf in Deutschland, Belgien und Estland hatte Google sogar nahezu sämtliche erweiterten Hotelinformationen entfernt und durch schlichte Weblinks ersetzt. Für euch bedeutet das ab Ende September erst einmal: Bei Reise- und Shopping-Suchen über Google dürftet ihr in der EU häufiger auf Vergleichsportalen landen statt direkt beim Anbieter. Ob das am Ende den Wettbewerb tatsächlich belebt oder schlicht den Umweg verlängert, bleibt abzuwarten.


