Offener Brief: Zwei US-Senatoren verlangen Erklärung von Apple für VPN-Bann im chinesischen App Store

Ein Statement für die Akten: Zwei amerikanische Senatoren wollen von Tim Cook erklärt haben, wieso Apple VPN-Apps aus dem chinesischen App Store schmiss. Obwohl der Grund klar auf der Hand liegt, bringen sie explizit mögliche Menschenrechtsverletzungen ins Spiel.

Apple hatte zuletzt dadurch den Unmut der Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen auf sich gezogen, dass es einige Apps, die VPN-Dienste anbieten, aus dem chinesischen App Store entfernt hatte. Es tat dies, um Vorgaben der chinesischen Führung zu entsprechen. Das Internet in China ist stark reglementiert und wird systematisch zensiert: Kritik an der Staatspartei und Staatsführung wird nicht honoriert und kann dem Verfasser empfindliche Restriktionen einbringen, außerdem wird die chinesische Führung beständig von der Sorge vor Unruhen und Aufständen in dem riesigen Reich getrieben. Daher wird die Internetzensur sowohl technisch als auch personell immer weiter aufgestockt. VPN-Verbindungen sind – noch – ein probates Mittel dagegen, doch auch diese Dienste werden zunehmend blockiert und verboten.

Apple soll sich erklären

Die beiden US-Senatoren Patrick Leahy und Ted Cruz haben nun einen offenen Brief an Tim Cook geschrieben und verlangen eine Erklärung des Offensichtlichen: Warum hat Apple viele VPN-Apps aus dem App Store in China entfernt?

Senatoren Patrick Leahy und Ted Cruz | MacRumors

Senatoren Patrick Leahy und Ted Cruz | MacRumors

Die Menschenrechtssituation in China sei erwiesenermaßen problematisch, VPN-Apps tragen zur freien Kommunikation bei, doch Apple entfernt sie. Wie passt Apples bewundernswerter Einsatz für weltweiten Informationsaustausch mit dieser Entscheidung zusammen, fragen die Politiker. Die Antwort dürften sie kennen: Der chinesische Markt ist imminent wichtig für Apple und es wird noch viel drastischere Entscheidungen treffen, um das Chinageschäft zu schützen. Google hatte sich vor Jahren für eine andere Chinastrategie entschieden und sich aus dem Land zurückgezogen. Der Vorstoß der beiden Senatoren ist so gesehen ein symbolischer Akt, der aber zweifellos mit einer sorgsam formulierten Antwort belohnt werden wird.

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Roman van Genabith
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Roman van Genabith

7 Kommentare zu dem Artikel "Offener Brief: Zwei US-Senatoren verlangen Erklärung von Apple für VPN-Bann im chinesischen App Store"

  1. Peter 20. Oktober 2017 um 15:23 Uhr · Antworten
    Naja, wenn es die Senatoren ernst meinten, müssten sie sich gegen alle Aufträge in China aussprechen. Nur dafür ist es zu spät, die Abhängigkeiten sind zu groß. Dass Apple nur lügt und die natürlich auf die Menschheit pfeifen, sollte jedem klar sein.
    iLike 0
    • gast22 20. Oktober 2017 um 17:14 Uhr · Antworten
      Kindergarten
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  2. iZen 20. Oktober 2017 um 15:30 Uhr · Antworten
    Kindergarten
    iLike 0
  3. gast22 20. Oktober 2017 um 17:22 Uhr · Antworten
    Was im Artikel nicht erwähnt wird ist, dass jede Firma in China – wie auch übrigens in der übrigen Welt – die dortigen Gesetze einzuhalten hat. Dies trifft auch auf die Entwickler zu. Meines Wissens wurden diejenigen Apps aus dem Store verbannt, die gegen solche Richtlinien verstoßen haben. Ob die Menschenrechtssituation in China wirklich erwiesenermaßen problematisch ist – oder ob uns das nur die Presse weiß machen will steht auf einem ganz anderen Blatt. Immerhin prallen hier zwei Weltanschauungen gegeneinander und der Westen hat noch nie andere Entwicklungen akzeptieren können, denn seine eigene. Von dem eigenartigen Gefahren gerade der US-Administration im letzten und diesem Jahrhundert ganz zu schweigen, denn sie sprechen mit gespaltener Zunge. Immer wenn es den eigenen Wirtschaftsmächten passt wird entsprechend gehandelt. Apple wird sicher nicht auf die provokative Frage antworten. Ich könnte es mir jedenfalls nicht vorstellen. Das sind reine innere Angelegenheiten eines Weltunternehmens. Es hat ja auch niemand von den US-Politikern MS oder wen auch immer gefragt, warum sie Kinderarbeit in den Minen des Kongos unterstützen, indem sie die Seltenerden dort kaufen. Da wollen nur zwei etwas ins Rampenlicht. Mehr nicht!
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  4. inuli 20. Oktober 2017 um 18:09 Uhr · Antworten
    Das Einknicken von Apple vor der menschenrechtsunwürdigen Politik Chinas ist ein Skandal, welcher auch aus meiner Sicht mit Apples angeblicher Befürwortung von weltweitem Informationsaustausch nicht harmoniert. Vielleicht könnten die sonstigen Märkte, auf welchen Apple tätig ist -also auch unserer-, dies dieser Firma irgendwann geldwert vor Augen führen – vielleicht kommt Apple dann zu einer realistischeren, informationsfreudigeren Gesamteinschätzung seiner (Weltmarkt-) Politik.
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    • moeNES 21. Oktober 2017 um 21:08 Uhr · Antworten
      Menschenrechtsunwürdig! Skandal! Nicht harmonisch! Informationsfeindlich! Verbraucherfeindlich!
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  5. inuli 20. Oktober 2017 um 18:11 Uhr · Antworten
    Zusatz: die Tatsache, daß Apple VPN-basierte Werbeblocker im AppStore nicht mehr sehen möchte, paßt gut zu dieser verbraucher- und informationsfeindlichen Haltung Apples.
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