Facebook-Abteilung “Building 8” arbeitet an bahnbrechenden Produkten

Es ist fast ein Jahr her, als Facebook-Gründer und CEO Mark Zuckerberg in seiner Timeline die Gründung einer neuen Abteilung verkündete: Building 8 soll künftig „nahezu unmögliche Hardware entwicklen, die Facebook auf seiner Mission unterstützt, die Welt zu verbinden.“ Zeit genug, um einmal nachzusehen, was wir bisher wissen.

Techveteranen unterstützen Facebook

 

Für die Leitung von Bulding 8 (B8) hat Zuckerberg die Leiterin von Googles Abteilung für fortschrittliche Technologien und Projekte (ATAP), Regina Dugan, abgeworben. Sie war beispielsweise für die Entwicklung des modularen Smartphones Ara verantwortlich, welches aus einzelnen Blöcken zusammengesetzt wird. Das Projekt geriet jedoch in Schwierigkeiten, weil unter anderem die einzelnen Blöcke nicht fest genug zusammenhielten. Zuvor war Dugan als Direktorin der DARPA tätig – einer Forschungsagentur, die für das US-Militär- unter anderem Weltraumforschung betreibt.

In der B8 obliegt ihr nun die Entwicklung neuer „nahezu unmöglicher Hardware, die Facebook auf seiner Mission unterstützen soll, die Welt zu verbinden,“ wie Zuckerberg schwammig formuliert.

Mit einem Beitrag im Februar deutete Regina Dugan an, wohin die Reise gehen könnte: Sie zitiert eine Statistik, nach welcher 93 % des persönlichen Kontaktes zwischen Eltern und ihren Kindern bis zum Schulabschluss stattfinden. Wir könnten mehr tun, um die übrigen 7 % zu vergrößern, meint Dugan und zeigt sich optimistisch, dass Technologie dabei helfen kann – auch Hardware, die in erster Linie sozial konzipiert ist. Im März schrieb sie dazu: „Smartphones erlauben uns, mit Personen in Kontakt zu sein, die weit entfernt sind. Zu oft geht dies zu Lasten derjenigen, die direkt neben uns sitzen. Wir sollten nicht wählen müssen.“

Während Zuckerberg namentlich die erweiterte und virtuelle Realität, künstliche Intelligenz und Vernetzung als Schwerpunkte nennt, wünscht er sich darüber hinaus auch andere bahnbrechende Technologien (DARPA-Style), die ganz neue Kategorien definieren. Facebook will dafür mit zahlreichen Universitäten sowie kleinen und großen Unternehmen zusammenzuarbeiten, wie der Konzern betont. Straffe Zeitpläne mit festen Zielvorgaben sollen die schnelle Entwicklung vorantreiben. Facebook will dazu in den nächsten Jahren hunderte Mitarbeiter zur Verfügung stellen und hunderte Millionen Dollar investieren. Momentan hat das Unternehmen allein für B8 71 offene Stellen ausgeschrieben.

5 Projekte

Die Mitarbeiterliste ist inzwischen schon um etliche Tech-Veteranen gewachsen, wie Business Insider berichtet. Wie man aus vertrauten Quellen wissen will, soll inzwischen die Entwicklung von mindestens 4 Hardware-Produkten angelaufen sein. Unter anderem sollen sich Kameras und Techniken der erweiterten Realität bedienen, bei der die echte Welt um digitale Informationen erweitert wird.

Die meiste Zeit hatte bisher das Projekt von Frank Dellaert, einem Experten für Robotik- und Computervision. Dabei könnte es sich um eine Drohne handeln, wie B8-Chefin Regina Dugan einem weiteren Facebook-Beitrag durchscheinen ließ: „He’s goining to help us make things fly … when he’s not guarding the door.“ Als Professor an der Georgia Tech hat er bereits besonderes Interesse an Quadrocoptern bekundet und war zuletzt an der Entwicklung einer bisher unveröffentlichten Drohne des Start-ups Skydio beteiligt, die automatisch eine Person verfolgt. Skydios früherer Hardware-Chef Stephen McClure ist laut LinkedIn-Profil nun in der selben Position in Facebooks B8-Team. Ein Industriedesigner des Unternehmens sowie einige frühere GoPro-Angestellte sollen inzwischen ebenfalls ins B8-Team gewechselt sein. Außerdem wechselte mit Alex Granieri ein Facebook-Ingenieur aus dem Team um die Mobilfunkdrohne Aquila in die B8-Abteilung. Im Sommer 2018 soll das Projekt bereits abgeschlossen sein. Dann will Daellert zurück an die Georgia Tech, um dort weiter zu lehren.

Ein anderes Projekt soll Gehirn-Scans umfassen. Was nach Science Fiction klingt, könnte zum Beispiel einen medizinischen Nutzen haben: Das Projekt wird von einem Neurowissenschaftler geleitet, der zuvor an der Entwicklung einer durch Gedanken gesteuerten Arm-Prothese beteiligt war. Ein weiteres Projekt wird von einem Interventionskardiologen der Standford University mit Erfahrung bei der Entwicklung medizinischer Geräte geleitet.

Für ein fünftes, nicht näher definiertes Projekt sucht der Konzern noch nach dem richtigen Leiter. Über allen Projekten steht Regina Dugan. Damit ist die B8 genauso aufgebaut, wie Googles ATAB-Abteilung oder Googles X, dem Geburtsort autonomer Fahrzeuge. Die Leiter der einzelnen Projekte werden wie Mini-CEOs behandelt, die jeweils zwei Jahre Zeit haben um ein Projekt so weit zu entwicklen, dass es entweder umgesetzt, verkauft oder von anderen Teilen des Facebook-Konzerns (wie WhatsApp, Instagram oder Oculus) weiterentwickelt werden kann.

Facebook plant Produktion und Verkauf

Obwohl das B8-Konzept noch kein Jahr alt ist und bislang noch keine Produkte veröffentlicht hat, offenbaren Facebooks Stellenanzeigen, dass Facebook bereits den Grundstein für die Produktion und den Verkauf mehrerer Millionen Geräte plant. Sie sollen in Hong Kong produziert und anschließend an mobilen, wochenmarktähnlichen Ständen verkauft werden, die zum Beispiel nur kurze Zeit in großen Elektromärkten stehen könnten, bevor sie weiterwandern. Das soll für ein vollkommen neues Verkaufserlebnis sorgen. Ein ähnliches Konzept entwickelte die Snapchat-Mutter Snap Inc. mit ihren als Snapbots bekannten Verkaufsautomaten, an denen man anfangs exklusiv die Spectacles, eine Videobrille, kaufen konnte. Mit besonderen Partnerschaften will der Konzern anscheinend den Absatz ankurbeln. So gehört es zu den Anforderungen des Einzelhandelsmanagers, „einzigartige und inspirierende Kooperationen zu identifizieren, welche die Innovationen vorantreiben, die Gesellschaft beeinflussen und die Loyalität und das Vertrauen der Kunden beflügeln.“

Die Entwicklungen der B8 könnten eine Schlüsselrolle auf Facebooks Entwicklerkonferenz im nächsten Monat spielen. Auf dieser gab Zuckerberg im letzten Jahr seinen 10-Jahresplan bekannt. Facebooks Anstrengungen zeigen, das Zuckerberg eine entscheidende Rolle bei den zukunftsträchtigen VR- und AR-Technologien spielen will.

Während Facebook mit über 2 Milliarden Nutzer eine Art Supermacht im Internet darstellt, hat das Unternehmen im Hardwarebereich bisher kaum Erfahrungen sammeln können. Vom teuren Oculus-VR-Headset konnte der Konzern bisher nur verhältnismäßig kleine Stückzahlen verkaufen. Das Hardwaregeschäft ist ein harter Verdrängungsmarkt mit nur geringen Margen und komplexen Strukturen, auf denen sich Facebook gegen erfahrene und finanzkräftige Konkurrenten wie Apple und Google behaupten muss.

[via Business Insider]

-----
Willst du keine News mehr verpassen? Dann folge uns auf Twitter oder werde Fan auf Facebook. Du kannst natürlich in Ergänzung unsere iPhone und iPad-App mit Push-Benachrichtigungen hier kostenlos laden.

Oder willst du mit Gleichgesinnten über die neuesten Produkte diskutieren? Dann besuch unser Forum!

Gefällt Dir der Artikel?

Marcel Gust
twitter Google app.net mail
Marcel Gust

4 Kommentare zu dem Artikel "Facebook-Abteilung “Building 8” arbeitet an bahnbrechenden Produkten"

  1. Chris 20. März 2017 um 13:30 · Antworten
    Naja immerhin wird das Geld was mit unseren privaten Daten verdient wird in Forschung gesteckt…welche wahrscheinlich dazu dienen soll noch mehr Daten zu sammeln?
    iLike 12
    • AD3R 20. März 2017 um 14:53 · Antworten
      Und um das Vertrauen und die Loyalität in das Unternehmen zu stärken. Dafür wurde diese B8 Chefin abgeworben, die immerhin schon ein modularer Smartphone entwickelt hat, was dann aber irgendwie nicht hielt. Nee, alles klar. Die spinnen, die Amis.
      iLike 2
  2. dasNavy 20. März 2017 um 14:41 · Antworten
    Im übrigen bin ich der Meinung, dass Datenkraken “zerstört” werden müssen. ?
    iLike 3
  3. Wiepenkathen 23. März 2017 um 20:42 · Antworten
    Facebook ist wie ein Furunkel – niemand braucht das so wirklich zum Leben. Früher gab es persönliche Gespräche – Face-to-Face sozusagen. Heute gibt es die Möglichkeit, in der Anonymität alles mögliche über sich und andere preiszugeben. Arme Gesellschaft ?
    iLike 1