Apple beteiligt sich an Bieterkrieg um Toshibas Flash-Speicher-Geschäft

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Konkurrenten und Kunden des angeschlagenen Elektronikkonzerns Toshiba leisten sich einen Bieterkrieg um die begehrte und profitable Flash-Speicher-Sparte. Auch Apple soll sich unter den Interessenten befinden.

Westinghouse, Toshibas US-Tochter im Atomgeschäft, kaufte Ende 2015 den pleitegegangenen Kernkraftwerks-Konstrukteur CB&I Stone & Webster und stürzte sich damit in eine finanzielle Krise.

Das Nuklear-Problem

Bild: TVA Web Team • CC BY 2.0

Das Unternehmen war unter anderem am Bau der zweiten Einheit des Watts Bar Atomkraftwerks im Bundesstaat Tennessee beteiligt. Die erste Einheit des seit 1973 im Bau befindlichen Kraftwerks wurde erst 1996 fertiggestellt. Obwohl die zweite Einheit bereits zu 80 % fertiggestellt war, wurde ihre Fertigstellung in den 80er-Jahren gestoppt, weil eine Verringerung des Strombedarfes in den USA prognostiziert wurde. 2007 wurde schließlich beschlossen, das Bauvorhaben fortzusetzen. Zuvor war rund 30 Jahre lang kein Neubau eines Atomreaktors mehr in den USA geplant worden. Nach der Fukushima-Katastrophe im Jahr 2011 erließ die US-Atomregulierungsbehörde (NRC) 9 Anordnungen zur Erhöhung der Sicherheit. In der Folge trieben Planänderungen, die das Kraftwerk zum Beispiel vor Flugzeugabstürzen schützen sollten, die Kosten in die Höhe. Seit Oktober 2016 ist Einheit 2 nun in Betrieb. Daneben gibt es zwei weitere Projekte in den US-Bundesstaaten Georgia und South Carolina, die ebenfalls enorme Kostenüberschreitungen verzeichneten.

Westinghouse beantragte schwer angeschlagen Insolvenzschutz nach Chapter 11, einer auf Reorganisation ausgelegten Insolvenzvariante. Damit wäre das Unternehmen während des Rettungsversuches vor den meisten Forderungen von Gläubigern geschützt, um vorerst weiter geschäftsfähig zu bleiben.

Trotz eines starken Gesamtergebnisses aus Toshibas Speichergeschäft, wurde die lukrative NAND-Speicher-Sparte nach Zustimmung der Anteilseigner am vergangenen Donnerstag in einer separaten Firma ausgelagert. Der letzte verzweifelte Versuch, eine Lücke zu schließen, nachdem Toshiba vergangenen Dezember einen enormen einmaligen Verlust in Höhe von 6,3 Milliarden US-Dollar verzeichnen musste, Zwang den Vorsitzenden dennoch zum Rücktritt. Die Aktien fielen in den Keller.

Unternehmen im Bieter-Krieg

Wie der Korean Herald vorgestern unter Berufung auf einen Bericht des Magazins Yomiuri Shimbun Daily berichtete, beteiligt sich neben Amazon und Google auch Apple am Bieterkrieg um den japanischen Speichergiganten. Für alle drei Unternehmen ist es essenziell, nicht von der Speicherversorgung abgeschnitten zu werden. Toshiba ist Apples größter Zulieferer von Speicherchips für iOS-Geräte und gilt nach Samsung als zweitgrößter Flash-Speicher-Hersteller der Welt. Sollte Apple den Zuschlag erhalten, wäre das bisher die größte Akquisition der Firmengeschichte. Samsung müsste in diesem Bereich dann vermutlich bald auf große Aufträge aus Cupertino verzichten. Internetfirmen wie Google und Amazon könnten mit dem Zukauf eigene Datenserver für die aufsteigende Ära von Clouddiensten und künstlicher Intelligenz entwickeln, ohne dabei auf fremde Chiphersteller angewiesen zu sein.

Bisheriger Marktanteil im Bereich der Speicherchips:
* Samsung Electronics – 37 %
* Toshiba – 18 %
* Western Digital – 17 %
* Micron Technology – 10 %
* SK Hynix – 9.6 %

Daneben ziehen auch Konkurrenten wie der weltgrößte NAND-Flashspeicher-Hersteller Western Digital, der taiwanesischer Technologiekonzern Hon Hai, der US-Chiphersteller Broadcom sowie der kleinere koreanische Chip-Hersteller SK hynix in den Bieterkrieg um den Rivalen. Insgesamt soll es mehr als 10 verschiedene Bieter geben. Broadcom und Fonds Silver Lake sollen Toshiba bereits etwa 18 Milliarden US-Dollar geboten haben.
Der US-Chip-Gigant Western Digital dürfte bislang jedoch der attraktivste Bieter sein, da er lange Zeit eng mit Toshiba zusammenarbeitete: Gemeinsam betreiben die beiden Konzerne Toshibas NAND-Speicher-Fabrik in Yokaichi. Danach könnte SK hynix folgen, der sich mit Toshiba viele Zulieferer teilt. Die liquiden Reserven von SK liegen jedoch bei nur rund 3,5 Milliarden US-Dollar, was nicht einmal annähernd ausreicht, um die Konkurrenten auszustechen. SK bliebe nur, sich hoch zu verschulden und damit ein hohes Risiko einzugehen. Hon Hai dürfte ebenfalls schlechte Karten haben, da sich Toshiba und die Japanische Regierung einig sind, die Firma nicht an chinesische und taiwanesische Unternehme verkaufen zu wollen, da die Technologien auch für militärische Zwecke verwendet werden könnten.

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Marcel Gust
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Marcel Gust

7 Kommentare zu dem Artikel "Apple beteiligt sich an Bieterkrieg um Toshibas Flash-Speicher-Geschäft"

  1. Kevin 3. April 2017 um 14:47 Uhr · Antworten
    Es heißt Nukular – Nu ku lar ☝️
    iLike 15
    • Marcel Gust
      Marcel Gust 3. April 2017 um 15:25 Uhr · Antworten
      D’oh!
      iLike 1
  2. Xx 3. April 2017 um 15:36 Uhr · Antworten
    Warum Samsung hier nicht expandieren möchte und einen Konkurrenten aufschnappt, ist mir schleierhaft. Vielleicht hat das Akku-Debakel im Note 7 Samsungs Kasse doch nicht gut getan?
    iLike 0
    • iPhone 6 User 3. April 2017 um 19:56 Uhr · Antworten
      Vielleicht sehen sie in Toshiba keine Konkurrenz.
      iLike 0
  3. PDdy 3. April 2017 um 19:42 Uhr · Antworten
    Im 3. Absatz steht “Fokushima” statt “Fukushima” ;)
    iLike 1
    • Marcel Gust
      Marcel Gust 4. April 2017 um 08:15 Uhr · Antworten
      Da hab ich wohl kurz den Fokus verloren. ? #korrigiert ✅
      iLike 0
  4. Thomas 3. April 2017 um 22:50 Uhr · Antworten
    Schön war die Zeit als ich mit Toshiba Festplatten, SSD`s und USB Sticks 1 Mio Monatsumsatz bei Media und Saturn gemacht habe und das als 1 Mann Firma :-)..
    iLike 0